Hochspannungsleitung ausgefallenFrankreich schaltet seinen größten Atomreaktor ab

Mit vielen Jahren Verspätung geht der Reaktor Flamanville 3 Ende 2024 ans Netz. Nun sorgt Sturm "Elli" für große Probleme - nicht nur dieser Atomreaktor, sondern auch ein älterer muss vorübergehend vom Netz.
Wegen des über Europa hinwegfegenden Wintersturms hat der französische Stromkonzern EDF den EPR-Atomreaktor im nordfranzösischen Flamanville vom Netz genommen. In der Nacht zu Freitag sei eine externe Hochspannungsleitung ausgefallen, teilte EDF mit. Die genauen Umstände würden noch geklärt. "Die technische Situation ist eindeutig auf den Sturm zurückzuführen", sagte ein Unternehmenssprecher. Windböen hatten in der nordfranzösischen Normandie in der Nacht Geschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern pro Stunde erreicht.
Das Atomkraftwerk Flamanville, das neben dem neuen Druckwasserreaktor zwei ältere Atomreaktoren umfasst, liegt auf der Halbinsel Cotentin direkt an der Küste des Ärmelkanals. Einer der konventionellen Reaktoren wurde ebenfalls vom Netz genommen, der andere ist derzeit wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet.
Der EPR-Reaktor Flamanville 3 war mit zwölf Jahren Verspätung im Dezember 2024 ans Netz gegangen und hatte im vergangenen Dezember erstmals seine volle Kapazität erreicht. Er ist mit 1600 Megawatt der mächtigste Atomreaktor Frankreichs und soll zwei Millionen Haushalte mit Strom versorgen können.
Der schwere Wintersturms "Goretti" - der in Deutschland "Elli" heißt - hatte am Freitag zudem zu Stromausfällen für etwa 380.000 Haushalten geführt, vor allem in Nord- und Westfrankreich. An der Küste des Ärmelkanals war die höchste Unwetterwarnstufe ausgerufen worden.