100 Fahrgäste müssen aussteigenFrau greift Zugchef an - ICE-Fahrt abgebrochen

Der tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz Anfang Februar löst eine breite Debatte um die Sicherheit in der Bahn aus. Nun sorgt ein weiterer Gewaltvorfall in einem ICE für Aufsehen - und bringt unangenehme Konsequenzen für rund 100 Fahrgäste.
Wegen eines Angriffs auf einen Zugbegleiter ist die Fahrt eines ICE von Hannover in Richtung Berlin abgebrochen worden. Rund 100 Reisende mussten nach Angaben der Bundespolizei den ICE in Stendal in Sachsen-Anhalt verlassen und auf einen späteren Zug ausweichen.
Wie die Polizei mitteilte, zeigte eine 35 Jahre alte Frau bei der Fahrkartenkontrolle ein Ticket vor, das nicht für Fernverkehrszüge galt. In Wolfsburg hätte die Frau den ICE verlassen sollen, stattdessen sei sie auf den Zugchef losgegangen und habe ihn mit der Faust geschlagen. Der Vorfall ereignete sich demnach bereits am Dienstag.
Der angegriffene Zugchef habe anschließend über Schmerzen im Bauch geklagt und seinen Dienst abbrechen müssen. Gegen die Frau wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Betruges, Hausfriedensbruch, Körperverletzung und Sachbeschädigung eingeleitet.
Neue Sicherheitsmaßnahmen nach tödlichem Angriff
Der Vorfall folgt auf eine tödliche Attacke vor rund drei Wochen in Rheinland-Pfalz: Ein 26-Jähriger schlug einem Zugbegleiter nahe Kaiserslautern mehrfach mit der Faust gegen den Kopf, weil er den Zug ohne gültigen Fahrschein verlassen sollte. Der Zugbegleiter starb. Die Tat hatte deutschlandweit Entsetzen ausgelöst.
Bahn-Chefin Evelyn Palla hatte daraufhin einen Bahn-Sicherheitsgipfel mit Vertretern der Bundesregierung, der Länder, der Sicherheitsbehörden sowie der Bahn-Gewerkschaften einberufen. Sie einigten sich auf einen Sieben-Punkte-Plan, mit dem die Sicherheit für Reisende und das Bahn-Personal verbessert werden soll.
Demnach sollen alle Bahn-Beschäftigten mit Kundenkontakt im Regional- und Fernverkehr sowie an den Bahnhöfen mit Bodycams ausgestattet werden. Zusätzlich zu den bisher rund 4000 Bahn-Sicherheitskräften sollen 200 weitere Mitarbeiter bei DB Sicherheit eingestellt werden. Für alle Mitarbeitenden im Kundenbetrieb soll es einen Notfallknopf geben. Alle Beschäftigten sollen zudem Deeskalationstrainings bekommen.
Als weitere entscheidende Maßnahme zur Deeskalation soll ab dem 1. März in den Regionalbahnen die verpflichtende Ausweiskontrolle im Rahmen der Ticketkontrolle entfallen. "Denn wir wissen, dass insbesondere aus dieser Ausweiskontrolle ein hohes Eskalationspotenzial resultiert", sagte die Bahn-Chefin. Eine Ausweiskontrolle liege dann im Ermessen des prüfenden Mitarbeiters.