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Kopftuch falsch getragen? Frau im Iran wegen Kleidung verprügelt

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Frauen sind seit 40 Jahren im Iran dazu verpflichtet, ein Kopftuch zu tragen.

(Foto: Reuters)

Ein Video verbreitet sich rasend schnell und sorgt im Iran für Empörung. Darin ist zu sehen, wie eine junge Frau von Sittenpolizistinnen verprügelt wird. Offenbar hatte sie ihr Kopftuch nicht so getragen wie vorgeschrieben.

Iranische Polizistinnen haben eine junge Frau in Teheran verprügelt, weil sie ihrer Ansicht nach nicht "islamisch" gekleidet war. Ein in den sozialen Medien veröffentlichtes Handyvideo von dem Vorfall sorgte landesweit für große Empörung. Die junge Frau hatte sich der Festnahme widersetzt und gegen die Vorgehensweise der Sittenpolizei protestiert. Daraufhin verprügelten die Polizistinnen die Frau und schleppten sie unter lauten Schreien mit Gewalt zum Polizeiauto.

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Offenbar hatte die junge Frau das Kopftuch nicht so getragen wie von den Polizistinnen gewollt, da Haare zu sehen waren. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna leiteten sowohl der Innenminister als auch der Polizeichef umgehend Ermittlungen ein. Am Samstag soll dazu ein Bericht vorgelegt werden.

Vizepräsidentin Massumeh Ebtekar und Schahindocht Molawerdi, die Leiterin der Abteilung für Bürgerrechte im Präsidialamt, verurteilten die Polizeiaktion scharf. Perser forderten in den sozialen Netzwerken harsche Strafen für die Polizistinnen, einige sogar den Rücktritt von Polizeichef und Innenminister.

Im Iran müssen Mädchen ab neun Jahren in der Öffentlichkeit ein Kopftuch sowie einen langen, weiten Mantel tragen. Das Tragen des Kopftuchs ist im Iran zwar seit 40 Jahren Pflicht, genauso lange aber ist die Mehrheit der Frauen dagegen. "Das Kopftuch ist ein unwiderruflicher Teil des Islams, der die Würde und Keuschheit der Frauen garantiert", sagte im März Ahmad Dschannati, Präsident des Expertenrats, dem höchsten Klerusgremium im Iran.

Daher sollte gegen Verstöße konsequent vorgegangen werden. Seit Dezember vergangenen Jahres gibt es Proteste gegen den Kopftuchzwang, bei denen Frauen einfach ihr Kopftuch in der Öffentlichkeit abnehmen. Mindestens 30 Frauen wurden in diesem Zusammenhang bereits festgenommen.

Eine namentlich nicht genannte Perserin wurde deshalb zu zwei Jahren Haft verurteilt, eine andere in eine psychiatrische Anstalt gesteckt. "Vor der (islamischen) Revolution (von 1979) liefen die Frauen mit Miniröcken und halbnackt auf den Straßen rum und verführten unsere Männer", sagte Dschannati, der zu den Hardlinern des Landes gehört. Seinen Angaben nach gab es damals in Teheran mehr Bars als Buchläden. Dies alles wurde jedoch nach der Revolution abgeschafft. Die jüngsten Anti-Kopftuch-Proteste seien für ihn eine weitere westliche Verschwörung, um den Islam im Land zu untergraben.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa

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