Panorama

"Ein Stück Geschichte" Gebote für Mordwaffe gehen in die Höhe

5b62f88e68e4e14831f78e7b5fb1b8d5.jpg

Ist dieses Stück "amerikanische Geschichte" mehrere Millionen US-Dollar wert? Oder haben die Gebote einen politischen Hintergrund?

(Foto: dpa)

Die Waffe, mit der der frühere Nachbarschaftswärter George Zimmerman den schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin erschießt, ist einigen Bietern im Internet anscheinend mehrere Millionen Dollar wert. Aber sind die Gebote auch echt?

Bei der Versteigerung der Pistole, mit der 2012 in den USA der schwarze, unbewaffnete Jugendliche Trayvon Martin erschossen wurde, gehen die Gebote in die Millionen. Am Freitagnachmittag lag das Höchstgebot für die Tatwaffe des früheren Nachbarschaftswärters George Zimmerman bei 65 Millionen US-Dollar, also knapp 57,5 Millionen Euro.

Schon der Ausgangspreis von 5000 Dollar für die Neun-Millimeter-Pistole des Herstellers Kel-Tec lag deutlich über denen, die gebrauchte Waffen üblicherweise erzielen. In der Nacht schnellten die Gebote plötzlich in die Höhe. Die Auktion läuft noch bis Dienstag.

Wer steckt hinter den Geboten?

Ob es sich um ernsthafte Angebote handelt, darf allerdings bezweifelt werden. USA Today schreibt, dass das Höchstgebot zwischenzeitlich von einem Nutzer mit dem Namen "Racist McShootface" stammte. Wenig später wurde dieser Account gelöscht. Später gab ein Nutzer namens "Tamir Rice" das Höchstgebot ab - dies ist der Name eines Zwölfjährigen, der 2014 in Cleveland erschossen wurde, weil die Polizei seine Spielzeugpistole für eine echte hielt. Es wird vermutet, dass sie die Gebote künstlich in die Höhe treiben, um ernsthafte Bieter abzuschrecken. Das aktuelle Höchstgebot stammt von einem Nutzer namens "Craig Bryant".

Zimmerman hatte den 17-jährigen Trayvon Martin im Februar 2012 nahe Orlando im US-Bundesstaat Florida erschossen, als dieser auf dem Heimweg war. Nach Darstellung Zimmermans soll der Teenager ihn zuerst attackiert haben.

Die Polizei ließ ihn zunächst laufen. Dabei berief sie sich auf ein Gesetz, das Bürgern in Florida ein weitgehendes Selbstverteidigungsrecht einräumt. Erst nach einer Protestwelle wurde Zimmerman angeklagt. Die Geschworenen stuften den Fall allerdings als Notwehr ein und sprachen Zimmerman frei.

Zimmerman will gegen "Black Lives Matter" kämpfen

Dies sei die Schusswaffe, "die dafür verwendet wurde, mein Leben zu verteidigen und den brutalen Angriff von Trayvon Martin zu beenden", schreibt Zimmerman in der Beschreibung zu seiner Auktion. Er die bezeichnet die Waffe darin außerdem als "ein Stück amerikanischer Geschichte".

Zuerst hatte Zimmerman die Pistole auf der Auktionsseite GunBroker.com platziert. Von dort wurde sie aber nach nur wenigen Stunden wieder entfernt. Die Betreiber der Seite erklärten, Zimmerman habe sie weder vor noch nach der Platzierung der Pistole auf der Seite kontaktiert. Niemand stehe "in irgendeiner Beziehung" zu dem früheren Nachbarschaftswächter.

Einen Teil des Geldes, das er für die Pistole bekommt, will Zimmerman laut seiner Auktionsbeschreibung für den Kampf gegen "Black Lives Matter" einsetzen. Die Bewegung kämpft für die Rechte schwarzer US-Bürger, stachelt seiner Meinung nach aber zu Gewalt gegen Polizisten an. Außerdem will der 32-Jährige mit dem Geld "den Untergang der Staatsanwältin Angela Corey herbeiführen". Sie hatte den Tod von Trayvon Martin untersucht und Zimmerman angeklagt.

Quelle: n-tv.de, chr/AFP

Mehr zum Thema