Panorama

Autopsie schafft Gewissheit Gesuchte Mörder in Kanada begingen Suizid

Das Fahndungsfoto der beiden Tatverdächtigen Kam McLeod, 19, und Bryer Schmegelsky, 18.

(Foto: REUTERS)

Kanada kann aufatmen. Die beiden Jugendlichen, die ein junges Touristenpärchen und einen Botanik-Professor ermordet haben sollen, sind tot. Ihre Identität bestätigte jetzt ein Autopsiebericht. Doch es bleiben viele Fragen.

Endlich können die Bewohner des kleinen Städtchens Gillam in der kanadischen Provinz Manitoba wieder beruhigt schlafen. Seit dem 23. Juli bevölkerte ein Großaufgebot von Polizisten mit Suchhunden und Drohnen das beschauliche Städtchen mit seinen gut 1000 Einwohnern. Grund war die Fahndung nach zwei Teenagern, die in der etwa 3000 Kilometer entfernten Provinz British-Columbia drei Menschen ermordet haben sollen. Nach dem Fund zweier Leichen am 7. August lieferte eine Autopsie nun die dringend erwartete Gewissheit: Es handelt sich um die gesuchten Tatverdächtigen. Der 18-jährige Brian Schmegelsky und 19-jährige Kam McLeod haben sich demnach vermutlich selbst erschossen.

Die Fahndung hatte nicht nur die Stadt Gillam, sondern ganz Kanada seit Wochen in Atem gehalten und wurde international mit großem medialen Interesse verfolgt. Der Fall beginnt am 15. Juli. Ein Straßenarbeiter findet die Leichen der 24-jährigen US-Amerikanerin Chynna Dan und ihres 23-jährigen australischen Freundes Lucas Fowler. Sie liegen in einem Van, der auf dem Alaska-Highway in British-Columbia abgestellt wurde. Das Pärchen hatte sich auf Reisen kennengelernt und ist nun in Kanada unterwegs. Beide Leichen weisen Schusswunden auf. Vier Tage später wird die Leiche des 64-jährigen Botanik-Professors Leonard Dyck gefunden.

Die "Menschenjagd" beginnt

Unweit der dritten Leiche steht ein ausgebrannter Van. Schnell stellt sich heraus, dass dieser Schmegelsky und McLeod gehört. Zu diesem Zeitpunkt geht die Polizei noch nicht davon aus, dass die beiden als Täter in Frage kommen. Sie meldet sie zunächst als vermisst. Das ändert sich, als die Polizei am 23. Juli eine öffentliche Fahndung mit Bildern einer Überwachungskamera einleitet. Einen Tag zuvor werden die beiden das letzte Mal lebend gesehen. Ein Bewohner von Gillam hilft ihnen, ihren festgefahrenen Truck zu befreien. Wenige Stunden danach erkennt er sie auf einem Fahndungsbild und informiert die Polizei. Diese findet noch am selben Tag den ausgebrannten Wagen nahe Gillam.

*Datenschutz

Nun beginnt das, was der kanadische Minister für innere Sicherheit Ralph Goodale, "eine Menschenjagd" nennt. Ein Großaufgebot von Polizisten durchstreift das dicht bewaldete Gebiet mit Spürhunden, klopft an Türen und durchsucht verlassene Gebäude. Drohnen liefern Bilder aus der Luft. Nach einigen Tagen ohne Ergebnis schickt das Militär ein Flugzeug mit modernsten Wärmebildkameras. Am 2. August findet die Polizei dann schließlich einige "Gegenstände, die in Verbindung mit den Verdächtigen stehen", darunter ein verbeultes Aluminiumboot. Nähere Informationen werden nicht bekanntgegeben. Fünf Tage später kommt dann die Nachricht, dass zwei Leichen gefunden wurden. Sie liegen etwa acht Kilometer entfernt von dem Autowrack in einer "unwirtlichen Gegend" am Nelson River.

Nun also die endgültige Bestätigung. Bei den Toten handelt es sich um Bryer Schmegelsky und Kam McLeod. Doch aufgeklärt ist die Mordserie damit noch lange nicht. Vor allem die Frage nach dem Motiv ist weiterhin offen. "Es wird extrem schwer ein Motiv sicher festzustellen, da wir sie nicht befragen können", dämpft ein Sprecher der Polizei entsprechende Erwartungen. Momentan würden die mutmaßlichen Tatwaffen sowie einige der gefundenen Gegenstände kriminologisch untersucht. Mit Ergebnissen sei aber erst im Verlauf der nächsten Wochen zu rechnen.

Vater eines Verdächtigen verärgert Angehörige der Opfer

Schon während der laufenden Fahndung meldet sich Alan Schmegelsky, der Vater eines der Verdächtigen, mehrfach öffentlich zu Wort. Zuerst spricht er in der australischen News-Sendung "60 Minutes" unter anderem darüber, dass sein Sohn die Trennung von ihm und seiner Frau nie richtig verarbeitet habe. Sollte er die Morde wirklich begangen haben, so sei er auf einer "Suizid-Mission" gewesen. Wenig später sendet er eine 138-seitige Romanversion seines Lebens an einige Zeitungsredaktionen in Kanada, in denen er sein Leben und das seines Sohnes als "von einem kaputten System geformt" beschreibt: "Mein Sohn und ich wurden behandelt wie Fußbälle!" Alan Schmegelsky war zuvor selber schon mehrfach in Konflikt mit dem Gesetz gekommen, unter anderem wegen Belästigung seiner Ex-Frau.

*Datenschutz

Für Ärger sorgt auch seine Aussage, er wisse genau, wie sich die Angehörigen der Mordopfer fühlten. "Auch ich habe meinen Sohn verloren. Ich werde ihn nie wieder umarmen. Nie wieder eine Minute mit ihm verbringen", hatte er gesagt. Kennedy Deese, die Schwester der ermordeten Touristin Chynna Dan, schrieb daraufhin auf Facebook: "Du betrauerst dich selbst. Du kannst nicht mit uns fühlen, weil wir nichts mit dem Grund deines Schmerzes zu tun hatten, während du eine Rolle im Grund unseres Schmerzes spielst." Und weiter: "Die richtige Antwort wäre eine ehrliche Entschuldigung gewesen. Aber wir vergeben dir dennoch."

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema