Panorama

Zwei Drittel an ihrer Grenze Gesundheitsämter in Hotspots ächzen

Die reibungslose Kontaktnachverfolgung in den deutschen Corona-Risikogebieten ist gefährdet. Das zeigt eine Auswertung von ntv. Mehrere Gesundheitsämter können kaum mehr leisten.

Die Gesundheitsämter in deutschen Corona-Hotspots könnten zum Teil schon bald nicht mehr in der Lage sein, alle Kontaktpersonen von Infizierten zügig nachzuverfolgen. Das zeigt eine Auswertung von ntv. Zwei Drittel der Ämter sehen sich bei der Nachverfolgung der Kontakte von Corona-Infizierten an der Belastungsgrenze.

ntv hat die Gesundheitsämter in den derzeit 43 Corona-Risikogebieten im Inland angefragt, 23 haben bislang geantwortet. 9 davon stufen die Lage bei der Kontaktnachverfolgung als "machbar" oder "gerade noch machbar" ein, 14 aber als "kritisch". Es ist der Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf, die Städte Leverkusen, Essen, Mainz, Duisburg, Offenbach, Esslingen, Stuttgart und Rosenheim sowie die Landkreise Main-Taunus, Bitburg-Prüm, Recklinghausen, Groß-Gerau und Wesermarsch. Die Landkreise Groß-Gerau und Wesermarsch haben bestätigt, dass die Belastungsgrenze bereits erreicht ist.

Wie kritisch die Situation ist, zeigt sich im bayerischen Rosenheim. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Infektionsketten zu unterbrechen, so schnell es geht. Leider ist es in vielen Fällen nicht mehr möglich, die Infektionsketten lückenlos nachzuvollziehen", sagte eine Sprecherin des Landratsamtes. Besonders bei Ausbrüchen in größeren Gruppen, zum Beispiel in Schulklassen, sei der Aufwand "sehr hoch". So war es Ende September auch in München: Aufgrund gehäufter Gruppenkontakte, etwa in Kitas oder Klassenschließungen in Schulen habe es bis zu 1000 Erstkontakte pro Tag gegeben, die man habe kontaktieren müssen. Einige habe man erst nach "wenigen Tagen" anrufen können, teilt eine Sprecherin mit. Nun habe sich die Lage wieder beruhigt.

Sogar die Kreissparkasse hilft mit

Die Gesundheitsämter im Landkreis Vechta, in Essen, Stuttgart und Esslingen betonen, die Nachverfolgung sei zwar gerade noch machbar, allerdings nur auf Kosten der Mitarbeiter, die deshalb unter hoher Arbeitsbelastung stehen. Ähnliches war aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm und der Stadt Leverkusen zu hören, wo es jeweils zeitliche Verzögerungen bei der Kontaktverfolgung gibt.

Die meisten Gesundheitsämter müssen gerade innerhalb kürzester Zeit zusätzliches Personal einstellen, um mit der Lage fertig zu werden. In Esslingen bei Stuttgart werden die regulären zehn Mitarbeiter derzeit pro Schicht von 25 weiteren aus anderen Bereichen der Kreisverwaltung unterstützt. Sogar 14 Mitarbeiter der Kreissparkasse helfen bei der Kontaktverfolgung. Ab Mittwoch kommen 15 Bundeswehrsoldaten hinzu.

Der Berliner Bezirk Spandau will von derzeit 48 Mitarbeitern schnellstmöglich auf 73 aufstocken. Hier betont man noch ein weiteres Problem: die Überlastung der Labore, die Corona-Tests auswerten. Seit dem Wochenende seien für einen Teil der getesteten Personen Wartezeiten von bis zu 5 Tagen entstanden.

Quelle: ntv.de