Panorama

Ärzte schlagen Corona-Alarm Gesundheitssystem stößt "wieder an Grenzen"

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Dienstbesprechung in einem Leipziger Krankenhaus: Viele Stationen sind wegen der vielen Personalausfälle schon wieder am Limit.

(Foto: dpa)

Es ist das dritte Pandemiejahr - und wieder bringt das Coronavirus das Gesundheitswesen zumindest an einigen Stellen an Kapazitätsgrenzen. Der Marburger Bund beklagt dies als "eine kleine Katastrophe": In einigen Bundesländern gibt es erhebliche Engpässe, derzeit vor allem im hohen Norden.

Angesichts von Personalausfällen in Kliniken wegen der Corona-Sommerwelle warnt der Ärzteverband Marburger Bund vor Einschränkungen bei der Gesundheitsversorgung. "Wir sehen Engpässe in Kliniken, insbesondere in Schleswig-Holstein mit seinen besonders hohen Infektionszahlen", sagte die Vorsitzende Susanne Johna dem "Handelsblatt". " Aber auch in anderen Bundesländern können Stationen, Notaufnahmen und der Rettungsdienst wegen Personalmangels teilweise nicht mehr betrieben werden. Wir müssen außerdem davon ausgehen, dass in den kommenden Wochen noch mehr Personal ausfällt."

Insgesamt sei die Lage zwar zu schaffen, aber das Gesundheitssystem komme "stellenweise wieder an Grenzen", sagte Johna. "Im dritten Pandemiejahr ist das eine kleine Katastrophe." Die meisten würden sich nicht im Dienst, sondern im Privatleben anstecken.

Die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft warnte erneut vor der Gefahr gleichzeitiger Corona- und Grippewellen im Herbst. Mit Blick auf die politische Debatte darüber, welche Corona-Schutzmaßnahmen dann möglich sein sollen, kritisierte sie eine "Hängepartie": "Dass die Politik sich vor der Sommerpause nicht über Maßnahmen für den Herbst einigen konnte, halte ich für einen großen Fehler. (...) Den dritten Herbst in Folge können wir uns nicht richtig vorbereiten."

Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft hatte sich zuletzt bereits besorgt gezeigt wegen Personalausfällen in Kliniken. "Aus allen Bundesländern erreichen uns Meldungen, dass einzelne Stationen und Abteilungen auch wegen Personalmangel abgemeldet werden müssen", hatte der Vorstandschef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Dienstag gesagt.

Auch wenn die reinen Inzidenzzahlen nur noch bedingt aussagekräftig sind, zeigen sie einen deutlichen Anstieg: Das Robert-Koch-Institut (RKI) wies die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Morgen mit 678,8 aus. In der Vorwoche lag dieser Wert noch bei 646,3, vor einem Monat bei 253,8. Experten gehen jedoch seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus - vor allem, weil bei Weitem nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Quelle: ntv.de, jog/dpa

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