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Nach Würge-Attacke auf Lehrer Gewalttätiger 16-Jähriger entgeht Jugendhaft

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Der Gerichtssaal des Landgerichts Hannover.

(Foto: dpa)

Auf Klassenfahrt gerät ein junger Deutsch-Russe mit seinem Lehrer in Streit - und will ihm mit einem Schnürsenkel an die Kehle. Um einer Strafe zu entgehen, flieht er nach Russland. Zwei Jahre dauert es, bis ein deutsches Gericht ein Urteil fällen kann.

Weil er seinen Lehrer attackierte und mit einem Schnürsenkel würgen wollte, muss ein 16-Jähriger einen sozialen Trainingskurs absolvieren. Das Landgericht Hannover verurteilte den Jugendlichen zwar wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, sah aber zunächst von einer Jugendstrafe ab. Die Entscheidung hierüber sei für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt worden, weil es begründete Zweifel an dem Vorliegen schädlicher Neigungen gebe, teilte das Gericht am Abend mit.

Der Angriff hatte sich im Herbst 2014 während einer Klassenfahrt des Gymnasiums Bad Pyrmont ereignet. Vorausgegangen war ein Streit zwischen dem jungen Deutsch-Russen und seinem Lehrer wegen Filmaufnahmen. Der Lehrer hatte dem Jungen das Handy abgenommen.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Jungen wegen versuchten Totschlags angeklagt und in ihrem Plädoyer eine Jugendstrafe von zwei Jahren beantragt. Dagegen plädierte die Verteidigung auf Verfahrenseinstellung gegen Auflagen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (AZ: 34 KLs 12/14)

Die Kammer unter Vorsitz des Präsidenten des Landgerichts, Ralph Guise-Rübe, war davon überzeugt, dass der damals 14-Jährige seinen Lehrer erst durch einen Schlag an der Hand verletzte und danach versuchte, einen Schnürsenkel als Würgemittel einzusetzen. Schließlich habe er den Klassenlehrer in den Schwitzkasten genommen. Einen versuchten Totschlag sah die Kammer nicht, weil es begründete Zweifel am Tötungsvorsatz gebe.

Angeklagter flüchtete nach Russland

Nach der Attacke war der Schüler zunächst von seinem Gymnasium geflogen. Nachdem ihm die Anklage zugestellt worden war, flüchtete er nach Russland. Dort wurde er aufgegriffen und verbrachte einige Monate in Auslieferungshaft, bevor er Anfang des Jahres in die Jugendanstalt Hameln überstellt wurde. Seit einem Monat ist er wieder auf freiem Fuß, weil das Gericht nicht mehr von einem versuchten Tötungsdelikt ausging.

Die Verhandlung begann mit mehreren Stunden Verspätung, weil der Angeklagte am Morgen nicht erschienen war und von der Polizei vorgeführt werden musste. In den vergangenen Jahren sind mehrfach Angriffe von Schülern auf Lehrer bekanntgeworden. Statistische Daten dazu gibt es aber nicht.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa

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