Panorama

Im Visier der Scharfschützen Greenpeace: Polizei war über Flug informiert

Die Bruchlandung eines Gleitschirmfliegers überschattet das EM-Spiel zwischen Deutschland und Frankreich. Nach der bayerischen Landesregierung übt auch Berlin scharfe Kritik an der Greenpeace-Aktion. Die Umweltaktivisten betonen hingegen, sie hätten die Polizei vorab informiert.

Die Münchner Polizei war nach Angaben eines Greenpeace-Sprechers über die missglückte Protestaktion der Umweltschützer im Münchner EM-Stadion informiert. Unmittelbar vor der Aktion sei Beamten innerhalb und außerhalb des Stadions Bescheid gegeben worden, sagte Greenpeace-Sprecher Benjamin Stephan. Ein Münchner Polizeisprecher bestätigte dies nicht und sagte, darüber habe seine Behörde keine Informationen.

Ein 38 Jahre alter Mann aus Pforzheim war am Vorabend kurz vor dem Anpfiff des Fußballspiels gegen Frankreich auf dem Platz im Münchner EM-Stadion gelandet und hatte im Landeanflug zwei Männer verletzt, die ins Krankenhaus kamen. Der Motorschirm-Pilot wurde festgenommen, sein Fluggerät sichergestellt. Gegen ihn wird wegen verschiedener Delikte ermittelt.

Als Grund für die Landung nannte Greenpeace-Sprecher Stephan ein defektes Handgas-Steuergerät an dem Motor, den der Pilot auf dem Rücken getragen hatte. Der 38-Jährige war den Angaben nach auf einer Wiese unweit des Stadions gestartet und war bis zur Landung im Stadion etwa vier bis fünf Minuten in der Luft. Der Mann sei ein Aktivist der Umweltorganisation und ein sehr erfahrener Motorschirmpilot. Ursprünglich wollte der Pilot einen großen gelben Ball in die Arena sinken lassen. Mit der Aktion wollte Greenpeace gegen den Sponsor Volkswagen protestieren.

Derweil hat auch die Bundesregierung den Vorfall scharf kritisiert. "Das war eine unverantwortliche Aktion, die Menschen in große Gefahr gebracht hat", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Die Aktion sei zwar "Gott sei Dank einigermaßen glimpflich" ausgegangen, was auch "eine große Erleichterung" sei. Trotzdem sollten die Verantwortlichen "schon selbstkritisch den Sinn solcher Aktionen hinterfragen, bei denen es um maximales Spektakel für maximale PR-Wirkung" gehe, sagte Seibert. Diese führten zu "potenziell gemeingefährlichen Situationen".

Scharfschützen hatten Piloten im Visier

Seibert stellte klar, dass die Verurteilung der Greenpeace-Aktion nichts mit den Inhalten des Protests zu tun habe. Man müsse diese Aktion so beurteilen, "völlig unabhängig davon, welchem Zweck sie diente", sagte Seibert.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann kündigte nach dem Vorfall an, die Luftüberwachung bei den kommenden drei EM-Spielen zu verstärken. Laut dem CSU-Politiker hatte die Polizei bewusst nicht auf den Motorschirmflieger geschossen. "Es hätte ganz anders ausgehen können, auch für den Piloten", betonte Herrmann in München. "Wenn die Polizei zur Einschätzung gelangt wäre, dass es sich um einen Terroranschlag handelt, hätte er das mit dem Leben bezahlen müssen. Die eingesetzten Scharfschützen hatten ihn bereits im Visier."

Kritik kommt auch von den Grünen. Bundesgeschäftsführer Michael Kellner twitterte: "Aktionen, die die Gesundheit anderer gefährden, gehen gar nicht. Das gilt selbstverständlich auch für @Greenpeace". Zugleich betonte Kellner aber auch: "Die Forderungen gegenüber #Greenpeace, jetzt die Gemeinnützigkeit abzuerkennen, sind völlig überzogen." Dies hatte zuvor unter anderem der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz ins Gespräch gebracht: "Nach dem Vorfall von gestern mit einer ernsthaften Gefährdung der Stadionbesucher wird es Zeit, die Gemeinnützigkeit von #Greenpeace zu überprüfen", twitterte Merz.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa

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