Panorama

Eskalation im Mittelmeer Griechen feuern auf türkischen Frachter

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Einsatz vor Rhodos: Einheiten der griechischen Küstenwache suchen im Osten der Ägäis nach Drogenschmugglern und Menschenhändlern (Archivbild).

(Foto: REUTERS)

Gefährlicher Zwischenfall in der Ägäis: Bei der Suche nach Schmuggelware nähert sich die griechische Küstenwache einem türkischen Frachter. Der Kapitän verweigert die Kontrolle. Die Griechen eröffnen das Feuer. Mehrere Kugeln treffen den Frachter.

Die Jahrzehnte alten Spannungen zwischen den beiden Nato-Verbündeten Türkei und Griechenland haben sich durch einen Vorfall auf hoher See erneut verschärft: Die griechische Küstenwache hat vor der Insel Rhodos Warnschüsse abgegeben und dabei ein türkisches Frachtschiff getroffen.

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Gezielte Schüsse auf ein verdächtiges Frachtschiff: "Wir hatten Informationen, dass der Frachter Drogen transportierte."

(Foto: n-tv.de / stepmap.de)

Das Schiff "M/V ACT" setzte seine Fahrt trotz mehrerer Treffer fort. "Wir hatten Informationen, dass der Frachter Drogen transportierte", begründete eine Sprecherin der griechischen Küstenwache das scharfe Vorgehen. Zum Zeitpunkt des Zwischenfalls soll sich der verdächtige Frachter innerhalb der griechischen Hoheitsgewässer etwa drei Seemeilen vor der Insel Rhodos befunden haben.

Aufforderung missachtet

Der Kapitän des Schiffes habe eine Kontrolle durch die griechischen Behörden verweigert, hieß es. Diese gaben daraufhin eigenen Angaben zufolge Warnschüsse vor den Bug ab. Da der Kapitän dieser unmissverständlichen Aufforderung anzuhalten nicht nachkam, eröffneten die Griechen schließlich erneut das Feuer und schossen direkt auf das Schiff. Es sei auf Stellen gezielt worden, an denen keine Menschenleben gefährdet waren, hieß es aus Kreisen der Küstenwache in Piräus. Unklar blieb, ob es Versuche gab, das Schiff per Funk zu erreichen.

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In der Türkei schlägt der Zwischenfall hohe Wellen: Türkische TV-Sender zeigten Bilder des Frachters. Mehrere Geschossen seien an Bord eingeschlagen, hieß es. Die türkische Küstenwache sei ausgerückt. Bei dem fraglichen Schiff handelt es sich um einen rund 89 Meter langen und 14 breiten Frachter, der unter türkischer Flagge fährt. Laut aktuellen Positionsdaten steuerte die "ACT" nach dem Vorfall den Hafen von Marmaris an der türkischen Südwestküste an. Dort gibt es auch eine größere Basis der türkischen Marine.

Akt der Aggression?

Die Besatzung des Schiffes warf der griechischen Küstenwache eine bewusste Aggression vor. Sie hätten 16 Einschläge gezählt, sagte Kapitän Sami Kalkavan dem Nachrichtensender CNN-Türk. "Die griechische Küstenwache hat uns aufgefordert, uns für eine Kontrolle umgehend in den Hafen von Rhodos zu begeben. Wir haben das abgelehnt", sagte Kalkavan.

Daraufhin habe die Küstenwache gedroht, das Feuer zu eröffnen, wenn er nicht anhalte, was dann auch geschehen sei. Die "ACT" war nach Angaben des Kapitäns auf dem Weg vom südosttürkischen Iskenderun nach Izmit bei Istanbul im Nordwesten des Landes. Aufnahmen türkischer Medien zeigten Einschusslöcher im Maschinengewehrkaliber. Demnach wurde die ACT auch am Schornstein auch oberhalb der Brücke getroffen. Aus welcher Distanz die Schüsse abgegeben wurden, blieb unklar.

Zypern-Gespräche in Gefahr

Die Türkei kritisierte die Anwendung von Waffengewalt. Man verurteile das "maßlose" Verhalten der griechischen Küstenwache aufs Schärfste, hieß es in einer Erklärung des türkischen Außenministeriums. Es gebe keine Erklärung für den Beschuss eines Schiffes, das Fracht geladen habe und demnach unbewaffnet gewesen sei. Man hoffe, dass sich ein solcher Vorgang nicht wiederhole, hieß es. "Unser einziger Trost ist, dass es nicht zu Toten oder Verletzten gekommen ist."

Der Vorfall fällt mitten in eine neue Verhandlungsrunde über die Wiedervereinigung der geteilten Insel Zypern. Athen und Ankara wirken zusammen mit der früheren Kolonialmacht Großbritannien als Garantiemächte bei den Gesprächen in der Schweiz. Viele griechische Ägäis-Inseln liegen direkt vor der türkischen Küste. Es gibt dort regelmäßig Spannungen, da sich die Nato-Partner Verletzungen ihrer Hoheitsgebiete vorwerfen.

Fahndungsmaßnahmen von Zoll und Küstenwache sind im betroffenen Seegebiet eigentlich nicht ungewöhnlich: In der von zahlreichen Buchten und Halbinsel gegliederten Region werden regelmäßig Schiffe kontrolliert, falls sie im Verdacht stehen, Migranten zu transportieren oder Drogen oder Zigaretten zu schmuggeln.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa