Panorama

Zusammenhang mit Astrazeneca? Halle meldet Lungenembolie bei junger Frau

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Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie die EMA: Beim Vakzin von Astrazeneca überwiegen die Vorteile, urteilt die Behörde nach der Prüfung.

(Foto: picture alliance / HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com)

Medikamente haben Nebenwirkungen und Patienten müssen Nutzen und Risiken gegeneinander abwägen. So will die Stadt Halle bei der Impfung mit Astrazeneca künftig ein Beratungsgespräch anbieten. Zuvor war bei einer jungen Frau zwölf Tage nach dem Impftermin eine Lungenembolie aufgetreten.

Die Stadt Halle in Sachsen-Anhalt meldet einen schweren Verdachtsfall auf eine Lungenembolie kurz nach einer Impfung mit dem Wirkstoff von Astrazeneca. "Wir müssen heute leider über einen Vorfall berichten, den es sehr ernst zu nehmen gilt. Uns hat erstmals die Nachricht von einem Verdachtsfall einer Impf-Komplikation erreicht", heißt es auf der städtischen Homepage. Zwölf Tage nach einer Impfung mit dem Wirkstoff von Astrazeneca, sei bei einer jungen Frau, Jahrgang 1985, eine Lungenembolie aufgetreten. Die Frau werde nun stationär behandelt. Zudem wurde der Fall als Verdachtsfall einer Impf-Komplikation an das Paul-Ehrlich-Institut als zuständige Bundesbehörde gemeldet.

Angesichts der Meldungen über zum Teil schwere Nebenwirkungen wie Blutgerinnsel im Gehirn nach Impfungen gegen das Coronavirus erklärte Halles Amtsärztin Christine Gröger am Abend im Sozialausschuss, dass man Personen ab sofort nur noch impfe, wenn vorher ein Beratungsgespräch stattgefunden habe. Das berichtete die "Mitteldeutsche Zeitung". In dem Gespräch informiere man auch über die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Verträglichkeit der Impfstoffe. Gröger warnte zugleich davor, die Impfstoffe zu meiden. "Impfungen sind die einzige Möglichkeit, um die Pandemie zu meistern", zitierte das Blatt die Medizinerin.

"Wir haben die Bilder aus Italien und Spanien vor Augen, als Intensivstationen überfüllt waren und entschieden werden musste, welcher Patient beatmet werden muss und wer nicht", sagte Gröger weiter. Selbst wenn die Vakzine "nur" die schweren Krankheitsverläufe mindern würden, sei die Impfung richtig und ein Erfolg, argumentierte die Medizinerin laut Bericht.

13 Fälle in Deutschland, zehn in Dänemark

Trotz Meldungen aus mehreren europäischen Ländern über Komplikationen mit Thrombosen im Gehirn nach der Impfung teilte die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) am späten Nachmittag mit, sie halte an ihrer Empfehlung für den Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca fest. Nach Berichten über das Auftreten schwerer Blutgerinnsel bei einigen Geimpften hatten Deutschland und mehr als ein Dutzend weitere europäische Staaten die Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin vorerst gestoppt.

Sämtliche Bundesländer setzten die Impfungen am Montag aus, obwohl das die Planungen für die Immunisierungskampagne durcheinanderbrachte. Bis heute sind in Deutschland 13 Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zu Impfungen gemeldet worden, wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte. Drei Patienten seien gestorben. Insgesamt handele es sich um zwölf Frauen und einen Mann zwischen 20 und 63 Jahren. Die dänischen Gesundheitsbehörden gaben zehn Berichte über Thrombosen oder Symptome von Thrombosen bei Astrazeneca-Geimpften bekannt. Darunter sei ein Todesfall.

Die EMA will "nicht mit Sicherheit ausschließen", dass es einen Zusammenhang zwischen Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin und dem Auftreten von Thrombosen im Gehirn gebe. Daher wird nun eine extra Warnung vor möglichen seltenen Blutgerinnseln in Hirnvenen bei den möglichen Nebenwirkungen aufgenommen.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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