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Einzigartige Hitzewelle beendet Heftige Gewitter bringen Abkühlung

An mehr als 50 Wetterstationen wird allein am Donnerstag die 40-Grad-Marke übertroffen. Mit den rekordverdächtigen Temperaturen ist nun jedoch vorerst Schluss, sagt n-tv Wetterexperte Björn Alexander. Er blickt auf eine historische Wetterwoche zurück.

n-tv.de: Es sind Zeiten der Wetterextreme. Wie außergewöhnlich waren die vergangenen Tage?

Björn Alexander: Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gab es noch nie eine vergleichbare Hitzewelle. Das betrifft natürlich in erster Linie die westlichen Landesteile, wo am Donnerstag die 40-Grad-Marke an über 50 Wetterstationen (sowohl offizielle Stationen als auch aus dem privaten Messnetz) übertroffen wurde. Ganz vorneweg Lingen an der Ems, wo der ursprüngliche deutsche Rekord von 40,3 Grad aus dem Jahr 2015 mit einer Spitzentemperatur von 42,6 Grad quasi pulverisiert wurde. Mehr als zwei Grad Unterschied - das sind in der Meteorologie Welten. Doch nicht nur die Anzahl der 40er und die Höhe des neuen Rekords sind historisch.

Was ist denn sonst noch außergewöhnlich?

Björn Alexander

n-tv Wetterexperte Björn Alexander

Dazu muss man etwas über die Geschichte der 40 Grad in Deutschland wissen. Bis in die 1980er-Jahre waren Temperaturen jenseits der 40 Grad dem Süden Europas vorbehalten. Erst 1983 schafften diese extremen Luftmassen den Sprung über die Alpen. Immer häufiger wurden 40 Grad mit den 2000er-Jahren. Und zwar vor allem in der Südhälfte. Beispielsweise im Jahrhundertsommer 2003 oder im Sommer 2015, aus dem auch der alte Temperaturrekord von 40,3 Grad stammt. Jedoch sei hierzu gesagt: In diesem Sommer wurde in Kitzingen gleich zweimal die 40,3 Grad erreicht. Sonst war es damals nirgends so heiß. Insofern werden bei diesem Rekord auch lokale Effekte eine Rolle gespielt haben. Das ist bei der aktuellen Rekordhitze anders, wie die Anzahl der Stationen über 40 Grad bis herauf ins Emsland zeigt. Die 40-Grad-Marke ist somit in den letzten Jahrzehnten immer weiter nordwärts gewandert.

Wenn die 40 Grad schon im Emsland angekommen sind: Steht zu befürchten, dass auch Hamburg oder gar die Küsten derartige Temperaturen bekommen können?

Nach der derzeitigen Entwicklung ist das recht wahrscheinlich. Zumindest sehe ich keinen Grund, warum das nicht so sein könnte.

Bleibt es denn auch am Wochenende noch so heiß?

Das Wochenende bringt uns endlich mal wieder normale mitteleuropäische Sommerwerte. Jedoch geht dieser Luftmassenwechsel nicht ohne teils schwere Gewitter vonstatten.

In diesem Zusammenhang: Kürzlich ist der Blitzatlas 2018 veröffentlich worden. Demnach hat es nirgendwo so oft geblitzt wie im fränkischen Schweinfurt. Gibt es dafür einen Grund?

Die Blitzhauptstadt liegt in der Regel in der Mitte oder im Süden Deutschlands. 2017 war es beispielsweise Garmisch-Partenkirchen. Hier spielt einerseits die Nähe zu den energiereichen mediterranen Luftmassen eine Rolle. Andererseits häufig auch die Orographie, also das Vorhandensein von Höhen und Bergen, die bei der Gewitterbildung eine maßgebliche Rolle spielen. Dementsprechend liegt der Norden in Sachen Blitzaktivität meistens deutlich dahinter.

War 2018 ein besonders blitzreiches Jahr?

Eher nicht. Aufgrund der stagnierenden Hochdrucklagen, die sich ja auch in der Trockenheit widerspiegeln, hielten sich die Blitze ebenfalls zurück. Laut Blitzatlas hat es in Deutschland rund 446.000 Mal geblitzt. Nehmen wir hingegen Jahre mit einer hohen Gewitteraktivität, dann können gut und gerne auch mal um die 550.000 bis über 600.000 Blitze zusammenkommen. Das war unter anderem 2014 und 2015 so. Übrigens war im Jahr 2015 auch Schweinfurt die Blitzhauptstadt.

Zum Schluss noch der Blick auf unser Wochenende und die nächste Woche: Was erwartet uns?

Unsere Omega-Wetterlage, die uns neben dem strahlend blauen Himmel auch die Hitze brachte, verliert an Struktur beziehungsweise verlagert sich ostwärts und macht damit den Weg für ein Gewittertief aus dem Westen frei. Dementsprechend müssen Sie am Samstag besonders vom Schwarzwald und den Alpen bis herauf an den Niederrhein mit zum Teil heftigen und blitzintensiven Gewittern rechnen. Leider drohen auch Unwetter durch Starkregen, Hagel und Sturmböen. Im übrigen Land bleibt es unterdessen noch überwiegend sonnig mit nur ganz gelegentlichen Gewittern.

Wie sieht es mit den Temperaturen aus? Müssen wir wieder schwitzen?

Es wird zwar nicht mehr so heiß. Allerdings ist die Luft vor allem im Süden und Westen recht schwül. Dort werden es mit Regengüssen sowie Blitz und Donner maximal noch 25 bis 28 Grad. Ebenfalls Werte unter 30 Grad bekommen der Norden und der Nordosten bei 23 bis 27 Grad. Am frischesten ist es hier direkt an der Ostsee bei einem strammen Ostwind. Sonst treibt die Sonne die Werte neuerlich in den (unteren) Hitzebereich zwischen 30 und 33 Grad.

Und am Sonntag?

Wird es dann generell gewittriger. Es wird sicherlich nicht alle treffen. Aber dort, wo es kracht, müssen Sie abermals mit Unwettern durch intensiven Platzregen, Hagel und Sturmböen rechnen. Hierbei ist die Luft schwülwarm bei 20 bis 32 Grad. Am kühlsten ist es im gewittrigen Regen am Alpenrand, am wärmsten in Brandenburg und Sachsen.

Mit welchem Wetter beginnt die nächste Woche?

Am Montag konzentriert sich die Schauer- und Gewittertätigkeit auf den Osten und Nordosten, bevor die Schauer am Dienstag immer seltener werden. Ansonsten setzt sich oftmals wieder die Sonne durch. Dazu steigen die Temperaturen auf 20 bis 32 Grad. Der Dienstag bringt 20 bis knapp 30 Grad und demzufolge werden auch die tropischen und schlaffeindlichen Nächte immer seltener.

Quelle: n-tv.de

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