Panorama

Razzia im Artemis-Bordell Hells Angels zwangen Frauen zur Prostitution

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Bei der Razzia trafen die 900 Beamten in dem Bordell 230 Freier, Zuhälter und Prostituierte an.

(Foto: dpa)

Im Berliner Bordell Artemis wurden Frauen offenbar durch Mitglieder der Hells Angels zum Anschaffen gezwungen. Die Rocker bestimmten die Praktiken und Preise und bekamen freien Eintritt. Ins Rollen brachte alles eine misshandelte Prostituierte.

Nach der Razzia im Berliner Groß-Bordell Artemis hat die Polizei Hintergründe zu der Razzia bekannt gegeben. Demzufolge haben die Ermittlungen ihren Lauf genommen, nachdem sich eine ehemalige Prostituierte im Sommer 2015 bei der Polizei gemeldet hatte. Sie hatte ausgesagt, dass sie unter Zwang im Artemis gearbeitet habe.

Offenbar hatte ihr Freund – ein Mitglied der Hells Angels - die Frau an das Artemis vermittelt. Dafür legte er die Reglements fest: Das heißt, er bestimmte Preise und Praktiken. Schließlich sei die Frau so "malträtiert" worden, dass sie keinen Ausweg mehr sah, als sich bei den Behörden zu melden, erklärte Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra. Bei den weiteren Ermittlungen stellte sich dann heraus, dass der Vorfall kein Einzelfall ist. Etliche Frauen waren durch die Hells Angels in das Bordell vermittelt worden. Dafür erhielten die Mitglieder des Rockerclubs freien Eintritt. Die beiden Bordell-Betreiber seien jedoch keine Mitglieder der Hells Angels, so die Behörden.

Die Staatsanwaltschaft sprach von Vorwürfen der organisierten Kriminalität. Es gehe um Hinterziehung von Sozialabgaben, Ausbeutung, Gewaltanwendung und Menschenhandel, erläuterte Oberstaatsanwalt Andreas Behm.  

96 Prostituierte befragt

An der Razzia waren 900 Beamte von Polizei, vom Zoll und von der Steuerfahndung beteiligt. Neben dem Bordell wurden außerdem Wohnungen in Berlin und weitere Wohnungen in Bayern durchsucht. Bei der Razzia im Artemis am Mittwochabend trafen die Beamten 230 Personen an. Darunter waren 180 Prostituierte. 96 von den Frauen wurden bis zum frühen Donnerstagmorgen vernommen. Sie bestätigten die Vorwürfe der ersten Zeugin.

Rentenversicherungsträger nehmen einen Schaden von 17,5 Millionen Euro an. Dazu kommt nach Polizeiangaben ein Steuerschaden in Höhe von 6 Millionen Euro, so dass eine Summe von rund 23 Millionen Euro im Raum stehe, heißt es. Bislang gab es sechs Festnahmen: Darunter die beiden Betreiber und vier Prostituierte, die als sogenannte Hausdamen gearbeitet hätten. Außerdem stellten die Behörden ein Vermögen im Wert von 6,4 Millionen Euro sicher.

Neben der Zeugenvernehmungen steht nun noch die Auswertung von Computern und sichergestellten Unterlagen an.

Quelle: ntv.de, kpi/dpa

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