Prozess gegen PatientenmörderHögel nutzte offenbar mehrfach Lidocain

Im Fall Niels Högel befassen sich die Gutachter derzeit mit den medizinischen Details. So wurden nach Meinung der Experten einige Opfer durch das Betäubungsmittel Lidocain getötet. Mit hoher Sicherheit habe das Mittel zum Tode geführt.
Im Prozess gegen den Patientenmörder Niels Högel hat das Landgericht Oldenburg erneut zwei medizinische Sachverständige angehört. Der toxikologische Gutachter Jörg Teske von der Medizinischen Hochschule Hannover und der Gutachter der Staatsanwaltschaft, Wolfgang Koppert, beschrieben dabei ihre Untersuchungen zum Betäubungsmittel Lidocain. Es war bei zahlreichen Patienten nachgewiesen worden, die in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst gestorben waren.
Das Medikament habe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum Tode geführt, stellte Koppert in seinem Vortrag fest. Der Wirkstoff war bei bis zu 40 Patienten in einer Konzentration nachgewiesen worden, die auf eine Verabreichung per Spritze schließen lasse. Dies sei als Todesursache möglich bis sehr wahrscheinlich, sagte Koppert.
Verschiedene Medikamente genutzt
Högel soll seine Opfer mit verschiedenen Medikamenten zu Tode gespritzt haben. Er ist wegen 100-fachen Mordes an Klinikpatienten in Oldenburg und Delmenhorst angeklagt. Der 42-Jährige ist bereits wegen sechsfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
Am Nachmittag wollte das Landgericht Oldenburg den Psychiater Henning Saß anhören, der ein Gutachten über die Schuldfähigkeit des Patienten vorstellen soll. Nach der weiteren Planung von Richter Sebastian Bührmann sollen am 16. Mai die ersten Plädoyers beginnen, zunächst mit dem Vortrag der Staatsanwaltschaft. Danach sowie am 17. Mai sollen Vertreter der Nebenkläger Stellung zum Prozessverlauf beziehen. Am 5. Juni soll die Verteidigung plädieren, am 6. Juni will das Gericht das Urteil fällen.