Panorama

Rücksichtslose Rückkehrer Hongkong fürchtet zweite Corona-Welle

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Auch Wochen, nachdem das Schlimmste in Hongkong überstanden ist, gehört der Mundschutz fest zum Straßenbild.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Hongkong gilt als Vorzeigestadt in der Corona-Pandemie. Während das Virus über Europa und Nordamerika herfällt, hat die Metropole und chinesische Sonderverwaltungszone das Schlimmste längst hinter sich. Nun wehren sich Behörden und auch Privatpersonen gegen eine neue Risikogruppe.

167 – so wenige Coronavirus-Fälle gab es in Hongkong. Nur vier Infizierte mussten die Behörden für tot erklären. Obwohl in der Metropole mehr als sieben Millionen Menschen dicht an dicht leben. Obwohl Hongkong nur 900 Kilometer von der Stadt Wuhan entfernt ist, dem Epizentrum der weltweiten Seuche. Hongkong hat den Ausbruch des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 genauso wie Singapur und Taiwan dank einer aggressiven Eindämmungstaktik nahezu unbeschadet überstanden.

Von Beginn an wurden alle Verdachtsfälle schnellstmöglich überprüft, isoliert und überwacht. Millionen Menschen mussten von zu Hause arbeiten. Auf den Straßen wurde direkter Kontakt weitgehend unterbunden – mit Erfolg: Innerhalb weniger Wochen war das Virus ausgerottet.

Doch nun fürchtet die Stadt eine zweite Welle. Am Dienstag meldete Hongkong fünf neue Infektionen. Tags zuvor waren es neun - und damit laut "Wall Street Journal" die meisten seit dem 9. Februar. Ähnlich ist die Situation in Singapur, wo am Dienstag mit 23 Fällen so viele wie noch nie an einem Tag hinzukamen. Taiwan meldete gleichzeitig den Rekordzuwachs von 10 neuen Fällen. Ausgelöst mutmaßlich immer von den gleichen Menschen: Expats, also gut verdienende, ausländische Arbeitskräfte, die jetzt zurückkehren.

"Ihr wurdet gewarnt!"

Anfang der Woche nahm demnach die einflussreiche Lokalzeitung "Apple Daily" die Rückkehrer auf ihrer Titelseite ins Visier. Grund des Aufruhrs: Sie hatten sich laut CNN in großer Runde in einer Bar getroffen - ohne Mundschutz. Zusätzlich sollen sie sich über die strengen Vorsichtsmaßnahmen der Hongkonger Gesundheitsbehörden lustig gemacht und damit die schmerzvollen Erinnerungen an den Sars-Ausbruch beschmutzt haben. Daran waren von Winter 2002 bis Frühjahr 2003 weltweit fast 800 Menschen gestorben. Beinahe 300 von ihnen allein in Hongkong.

Nun, da die Metropole zu den sichersten Orten der Welt gehört, möchten die Einwohner, dass es auch dabei bleibt. Die städtischen Behörden haben deshalb eine obligatorische, 14 Tage andauernde Quarantäne für alle Ankommenden angeordnet. Zur Kontrolle wird ihnen bei der Ankunft ein elektronisches Armband angelegt. CNN zufolge haben sich fast alle neuen Corona-Fälle in Hongkong vorher in den USA oder Europa aufgehalten.

Geschäfte und Läden nehmen sich der Sache notfalls aber auch alleine an. Am Montag hat eine Bar aus dem Stadtteil Discovery Bay am Montag auf ihrer Facebookseite eine Warnung an alle Gäste veröffentlicht, die vorher in Europa unterwegs waren: "Discovery Bay ist eine kleine Nachbarschaft. Jeder kennt euch. Wenn ihr in Quarantäne sein solltet, kommt nicht hierher", steht in dem Beitrag. "Wenn wir euch sehen, schicken wir das Überwachungsvideo an die Behörden. Ihr wurdet gewarnt!"

Quelle: ntv.de, chr