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Die Pumpernickel-Firma will mit dem Preis die Männeremanzipation fördern.
Die Pumpernickel-Firma will mit dem Preis die Männeremanzipation fördern.(Foto: imago)
Freitag, 10. März 2017

Oliver Blau ist "Spitzenvater" : "Ich wollte nicht sagen, hätte ich doch"

Zum 12. Mal zeichnet die Bäckerei Mestemacher "Spitzenväter" aus. 5000 Euro gehen an Oliver Blau, weil er mit Leib und Seele Familienmanager ist, obwohl er Vollzeit arbeitet. Blau hat für seinen Weg durchaus egoistische Gründe.

n-tv.de: Zuallererst herzlichen Glückwunsch, man wird ja nicht jeden Tag als Spitzenvater ausgezeichnet.

Oliver Blau: Herzlichen Dank (lacht).

Wie viel Wertschätzung empfinden Sie mit dem Preis für das, was sie tun?

Ich fühle mich schon geschätzt und freue mich, dass meine Leistung wahrgenommen wird. Natürlich hat auch jede Mutter einen Preis verdient. Meine Frau und ich stehen ja nur als ein Beispiel für eine moderne Rollenverteilung in der Familie. Ich erhoffe mir Ermutigung für andere Väter, die sich davor noch scheuen, gleichwertig Verantwortung in der Familie zu übernehmen. Man kann das durchaus vereinbaren, man kann auch als berufstätiger Vater nennenswert Familienaufgaben übernehmen. Das lohnt sich auch und es macht Spaß.

Man darf ja nicht von der eigenen Frau vorgeschlagen werden, wenn die Sie toll findet, ist das schön …

Nutzt aber nichts.

Wer hat Sie vorgeschlagen?

Das war unsere Tagesmutter, bei der zurzeit unsere kleinste Tochter in Betreuung ist, die aber auch vorher schon unseren Sohn Felix betreut hat. Sie ist fast unsere Nachbarin und bekommt hautnah mit, wie das Ganze bei uns organisiert ist. Wie wir uns als vollzeitbeschäftigte Eltern mit drei kleinen Kindern versuchen, durch den Alltag zu kämpfen. Sie hat das wohl so wahrgenommen, dass es ganz gut läuft.

Was machen Sie anders als andere Väter?

Ich verstecke mich nicht hinter meiner Vollzeitberufstätigkeit, ich mache keinen auf Familienernährer und lasse meine Frau für den Rest sorgen. Ich erkenne an, dass meine Frau genauso wie ich ein Recht auf berufliche Weiterentwicklung hat, aber auch auf andere Dinge wie Hobbys. Wir haben versucht, dafür Möglichkeiten zu schaffen. Und wir wollten beide Zeit mit den Kindern.

Wie sieht Ihr Alltag aus?

Blau arbeitet für das Verkehrsunternehmen KVG im niedersächsischen Stade.
Blau arbeitet für das Verkehrsunternehmen KVG im niedersächsischen Stade.(Foto: FOTOWERFT)

Ich arbeite, ich kaufe ein, ich bringe die Kinder in die Kita oder bleibe auch mit einem kranken Kind daheim, ich mache den Haushalt mit, alles, was eben dazugehört. Nachdem meine Frau vor einem Jahr nach dem letzten Kind in einer leitenden Funktion wieder eingestiegen ist, hat sie noch nicht ganz so die Spielräume wie ich. Ich bin da flexibler und kann die Kinder beispielweise besser übernehmen, wenn sie krank sind.

Das ist ja in anderen Familien oft genau der Punkt, an dem Väter doch lieber wieder an die Mütter übergeben. Was ist bei Ihnen anders?

Das machen wir bewusst so, das erkämpfe ich mir auch, weil ich diese Zeit mit unseren kleinen Kindern als unheimlich wichtig und wertvoll erachte. Letztlich hat man mit den Kindern ein paar wertvolle Jahre, in denen sie mit Mama und Papa was machen wollen, bevor dann die Pubertät einsetzt. Vielen Vätern geht es immer noch so, dass sie diese Zeit verpassen. Aber sie kommt leider nicht wieder. Ich wollte nicht sagen, hätte ich doch.

Inzwischen wird die Arbeitsteilung, wie Sie sie handhaben, für viele Familien immer selbstverständlicher. Was wird man demnächst leisten müssen, um Spitzenvater zu sein?

Was wir im Freundes- und Bekanntenkreis beobachten ist, dass viele das wirklich so vorhaben. Wenn es aber ernst wird, vielleicht noch ein zweites Kind kommt und für beide der nächste Karrieresprung ansteht, dann sind es doch meist die Frauen, die zurückstecken. Die kommen nach der Babypause nicht so leicht wieder in die Stellung, in der sie mal waren. Oder die Kinderbetreuung für die größeren Kinder erweist sich als schwierig und die Mutter reduziert deshalb die Arbeitszeit. Aber wichtig ist wohl immer die Bereitschaft, auch in den eigenen Dingen zurückzustecken. Ich mache mein Ding und wenn möglich helfe ich, das wird nicht mehr reichen.

Wie wichtig sind die äußeren Bedingungen?

Ich habe mit meinem Arbeitgeber eine weitgehende Flexibilität vereinbart. Ich kann also auch morgens später kommen, wenn ich die Kinder versorgt und weggebracht habe. Ich kann auch früher gehen. Dafür ist der Deal dann, dass ich mich dann abends oder am Wochenende nochmal zwei Stunden an den Laptop setze. Ich bin auch immer ansprechbar, das ist natürlich nichts für Leute, die eine strenge Trennung von Beruf und Freizeit brauchen.

Welche Rolle spielt die finanzielle Ausstattung der Familie?

Das ist natürlich ein wichtiger Faktor. Wir wohnen in Schleswig-Holstein, da sind die Kinderbetreuungskosten hoch. Wenn man drei Kinder hat, kommt man schnell auf vierstellige Beträge, auch wenn es Zuschüsse gibt. Das muss man sich auch leisten können. Außerdem ist in normalen Arbeitsverhältnissen vielleicht auch der Druck höher, dann stellt sich die Frage, kann ich mir erlauben, dass mein Kind krank ist?

War das für Sie von Anfang an klar, dass Sie der Vater sein würden, der sie jetzt sind?

Zumindest als ich meine Frau gefunden hatte, die eine ebenso gute Ausbildung wie ich hat, und klar war, dass nur Haushalt und Kinder nicht ausfüllend für sie sein würden. Dann hat sich dieser Weg abgezeichnet und den haben wir auch so besprochen. Wenn wir Kinder haben, dann wollen wir das gemeinsam und partnerschaftlich machen und die Aufgaben teilen.

Gibt es was, was Sie nicht machen?

Ich muss überlegen (denkt kurz nach). Ich bügele nicht.

Mit Oliver Blau sprach Solveig Bach

Quelle: n-tv.de