Panorama

165 Millionen Euro bewegt Razzia gegen illegales Hawala-Finanzsystem

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Polizeikräfte stehen auf einem Gelände des Gebrauchtwagenhändlers, der als Verdächtiger gilt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Hawala nennt sich ein System, mit dem illegal Geld transferiert werden kann. Amerikanische Drogenermittlungen bringen das BKA auf die Spur dieser Finanzringe. Nun haben Hunderte Beamte in einer Razzia gegen das illegale Hawala-Banking mehrere Verdächtige festgenommen.

Mit einer großen Razzia in sechs Bundesländern gingen Polizei und Staatsanwaltschaft gegen sogenannte Hawala-Netzwerke vor, wie das Bundeskriminalamt und die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft mitteilten. So wird ein illegales System genannt, das zum Überweisen von Geldsummen außerhalb des staatlichen Finanzwesens genutzt wird.

Rund 700 Polizisten haben im Rahmen der Razzia sechs Tatverdächtige festgenommen. Diese zählen zu einer Gruppe aus 32 Beschuldigten, die am Bankensystem vorbei ein paralleles Bankensystem aufgebaut und geführt haben sollen. Im Zuge der Razzia seien rund 1,9 Millionen Euro sowie eine Gewerbeimmobilie beschlagnahmt worden. Die Verdächtigen sind im Alter zwischen 22 und 59 Jahren, überwiegend Männer mit libanesischer Staatsangehörigkeit. Sechs von ihnen wurden mithilfe von Spezialeinheiten der Berliner Bereitschaftspolizei festgenommen.

14 Konten, Bargeld, Vermögenswerte in Höhe 1,9 Millionen Euro, eine Gewerbeimmobilie sowie zahlreiche Handys, Computer und andere Speichermedien wurden vorläufig beschlagnahmt. Nach Angaben des BKA wurden 39 Häuser, Wohnungen, Büros und Geschäftsräume durchsucht.

Die Razzia fand in Berlin, Mittenwalde, Schönefeld, Hamburg, Essen, Mannheim sowie Haßloch statt. Auf die Spur der Verdächtigen waren die Ermittler durch einen Hinweis aus den USA aus dem Jahr 2018 gekommen, wonach Unbekannte illegale Gewinne aus dem Handel mit Kokain sammelten, wuschen und das auf diesem Weg legalisierte Geld an Hinterleute ins Ausland weiterleiteten.

Überweisungen gegen Provision

Hauptbeschuldigter ist ein 46 Jahre alter Mann aus Berlin, der als Groß-Hawaldar einer Vielzahl von Kunden die Möglichkeit geboten haben soll, gegen Zahlung einer Provision Geldüberweisungen außerhalb des staatlich genehmigten Banken- und Finanzwesens - insbesondere von Deutschland in den Libanon - vorzunehmen. Außerdem soll er Gelder aus Straftaten Dritter gewaschen haben.

Der 46-Jährige soll das gesamte Management des Geldsystems übernommen haben. Seit November 2018 sollen über sein System rund 165 Millionen Euro bewegt worden sein.

Der Ausgleich von Bargeldbeständen in deutschen Zahlungsbüros und den Zahlungsbüros im Libanon sei unter anderem durch den Transfer von Geldern für sogenannte Rückwärtskunden gelaufen. Einer dieser Kunden, ein 42-jähriger Autohändler, soll mit gebrauchten Lastwagen gehandelt, diese anschließend nach Afrika exportiert und dort veräußert haben. Die Erlöse sollen auf unbekanntem Weg in den Libanon transferiert worden sein.

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 30. März 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, smu/dpa/AFP

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