Panorama

Neue Lungenkrankheit aus China Impfstoff gegen Coronavirus frühestens 2021

128691841.jpg

An Flughäfen in China werden Menschen mit Thermalscannern auf erhöhte Körpertemperatur überprüft.

(Foto: picture alliance/dpa)

In China wird Wuhan, der Ausbruchsherd der neuen Lungenkrankheit, praktisch abgeriegelt. Elf Millionen Menschen sind mehr oder weniger eingeschlossen. Und ein Impfstoff wird dieses Jahr nicht mehr verfügbar sein. Wie stark Europa gefährdet ist, bleibt abzuwarten.

Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen die in China ausgebrochene neue Lungenkrankheit wird nach Einschätzung der globalen Impfallianz Gavi mindestens ein Jahr dauern. Noch seien die Gefahren durch das Coronavirus auch schwer abzuschätzen, sagte der Epidemiologe Seth Berkley, der die Impfallianz leitet. Währenddessen hat die chinesische Regierung die besonders schwer betroffene Stadt Wuhan praktisch komplett unter Quarantäne gestellt.

Seth Berkley, Geschäftsführer der Impfallianz Gavi, bleibt optimistisch: "Die gute Nachricht ist, dass Forscher das Genom des Virus bereits sequenziert und veröffentlicht haben. Das hat es mehreren Organisationen rund um die Welt möglich gemacht, mit der Arbeit an einem Impfstoff zu beginnen", sagte er. Impfstoffe, die gegen Coronaviren schützen, seien weitaus leichter zu entwickeln als Vakzine gegen Krankheiten wie Malaria oder HIV. "Trotzdem wird es bis zu ersten klinischen Versuchen Monate dauern und mindestens ein Jahr, bevor ein Impfstoff zur Anwendung verfügbar ist", sagte Berkley.

Weil immer mehr Menschen mit Grippesymptomen auf das neue Virus getestet werden, nimmt die Zahl der bestätigten Fälle weiter zu. Bisher wurde das Virus bei 571 Menschen nachgewiesen, wie die chinesische Gesundheitsbehörde berichtete. Darunter sind demnach 95 schwere Fälle - alle in der Provinz Hubei. Hier liegt auch die besonders schwer von der Lungenkrankheit betroffene Millionenmetropole Wuhan.

WHO spricht noch nicht von Notlage

Die chinesische Regierung hat Wuhan praktisch abgeriegelt. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, sollten ab dem Morgen Flüge, Züge, Fähren und Fernbusse gestoppt werden. Bewohner Wuhans wurden aufgefordert, die zentralchinesische Stadt nicht mehr zu verlassen. Auch der Nahverkehr mit U-Bahnen und Bussen wurde demnach eingestellt. In Wuhan, wo das neuartige Coronavirus vermutlich auf einem Tiermarkt ausgebrochen war, leben rund elf Millionen Menschen.

Die Menschen wurden außerdem aufgefordert, nur noch mit Schutzmasken in die Öffentlichkeit zu gehen. Wer in Hotels, Restaurants, Einkaufszentren oder Parks keine Maske trage, werde bestraft, berichtete die Zeitung "China Daily". Wuhan ist von der Krankheit besonders schwer betroffen. Das Virus hat sich aber mittlerweile in großen Teilen Chinas und auch über die Landesgrenzen hinaus verbreitet. Die Krankheit war bereits in Japan, Südkorea, Taiwan, Thailand und den USA nachgewiesen worden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief trotz der rasanten Zunahme von nachgewiesenen Infektionen mit dem neuen Virus vorerst keine "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" aus. Der Notfallausschuss, der die WHO berät, sah dafür gestern keinen Anlass, wollte aber heute erneut tagen. Der Notfallausschuss empfahl, den Informationsaustausch unter den Staaten weiter zu verbessern, wie der Vorsitzende Didier Houssin sagte. Allerdings seien sich die Mitglieder des Notfallausschusses in der Beurteilung der Situation nicht einig gewesen. Mit einer offiziellen "Notlage" wären weitere konkrete Empfehlungen an Staaten verbunden gewesen, um die Ausbreitung über Grenzen hinweg möglichst einzudämmen. Zu solchen Empfehlungen kann beispielsweise gehören, dass Reisende auf Krankheitssymptome geprüft werden, und dass medizinisches Personal besser geschützt wird.

Neujahrsfest dürfte Verbreitungsschub für Coronavirus bringen

In Europa gab es bisher keine Nachweise der Krankheit. Für die Menschen in Deutschland besteht nach Einschätzung der Bundesregierung ein "sehr geringes" Gesundheitsrisiko. Es gebe keinen Grund, jetzt in Alarmismus zu verfallen, sagte ein Sprecher von CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn. Die europäische Präventionsbehörde ECDC sprach von einem moderaten Risiko, dass der Erreger in die Europäische Union eingeschleppt werde. Noch sei unklar, wie schwerwiegend und wie tödlich die Krankheit sei, meinte ECDC-Direktorin Andrea Ammon.

Es wird vermutet, dass die Quelle des Coronavirus ein Wildtier auf einem Fischmarkt in Wuhan war. Es wurde nach Expertenmeinung zunächst vom Tier zum Menschen übertragen, bevor das Virus sich an seinen neuen Wirt anpasste und es zu Übertragungen zwischen Menschen kam. Mit der Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag wächst die Gefahr einer Ausbreitung der Viruskrankheit. Bei der größten jährlichen Reisewelle des Landes sind einige Hundert Millionen Chinesen unterwegs.

Das neue Virus gehört zur selben Art wie jenes, das 2002/2003 die Sars-Pandemie ausgelöst hat. Damals kamen etwa 800 Menschen ums Leben. Das neue Virus soll nach derzeitigem Stand eine harmlosere Variante sein. Sars-Viren gehören zu den Coronaviren, die oft harmlose Erkrankungen wie Erkältungen verursachen. Allerdings gehören auch Erreger gefährlicher Atemwegskrankheiten wie Mers dazu.

Quelle: ntv.de, lwe/dpa