Panorama

Biontech rüstet Produktion um Impfstoff wird (noch) nicht knapp

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Biontech will seine Produktion erhöhen und muss sie dafür kurz drosseln.

(Foto: REUTERS)

Überraschend kündigt Biontech/Pfizer Verzögerungen bei der Impfstoffauslieferung an. Die Bundesländer, die gerade ihre Impfkampagnen erweitern, befürchten, dass sie nun gebremst werden. Doch bislang sieht es danach nicht aus.

Die vom Hersteller Biontech/Pfizer angekündigten Lieferschwierigkeiten für den Corona-Impfstoff haben in den Bundesländern Befürchtungen geweckt, dass es zu Verzögerungen bei Impfungen kommen könnte. Auf der Impfseite des Brandenburger Gesundheitsministeriums wird mitgeteilt, dass aus diesem Grund vorübergehend keine neuen Impftermine vergeben werden können. "Wir wissen heute nicht, wie viele Impfstoffdosen Brandenburg in den nächsten Wochen tatsächlich erhalten wird", sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher. "Deshalb müssen wir die Impfgeschwindigkeit in den Krankenhäusern und in den Impfzentren vorübergehend deutlich drosseln."

Das heißt aber nicht, dass in Brandenburg nicht mehr geimpft wird. "In Pflegeheimen wird weiter geimpft", so die Grünen-Politikerin. Alle, die eine erste Corona-Impfung hätten, sollten außerdem auch die zweite bekommen. Ob bereits vergebene Termine für Erstimpfungen in Impfzentren verschoben werden müssen und gegebenenfalls Eröffnungstermine von neuen Impfzentren angepasst werden müssen, soll nun geklärt werden.

Ähnliche Unsicherheit herrscht auch in anderen Bundesländern. In Hessen, wo am Dienstag die ersten sechs regionalen Impfzentren öffnen sollen, sind alle zunächst verfügbaren 60.000 Impftermine vergeben. Weitere Termine sollen erst freigegeben werden, wenn weitere Impfstofflieferungen eintreffen. Wann das sein wird, ist noch unklar. Der Bund hatte Hessen wöchentliche Lieferungen von jeweils 49.000 Dosen angekündigt. Aus dem hessischen Innenministerium erfuhr ntv.de, man vergebe ohnehin nur so viele Termine, wie Impfdosen vorhanden seien. Ähnlich verfährt Sachsen, dass die Dosen für die Zweitimpfungen zurückgehalten hatte.

Knappheit vielleicht in letzter Januarwoche

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Möglicherweise dauert es ohnehin eine gewisse Zeit, bis sich die Lieferverzögerungen auswirken. Gesundheitsminister Jens Spahn geht davon aus, dass die Reduzierungen insbesondere die nächsten ein bis zwei Wochen betreffen. Die Unternehmen hätten zugesichert, ihre Pläne "im Laufe des heutigen Tages" weiter zu konkretisieren. Die für Anfang der Woche vorgesehenen Impfstoff-Lieferungen sollen indes regulär eintreffen: Die Zusicherung, "dass die Dosenzahl die zugesagte ist, die haben wir von Biontech auch schriftlich bekommen", so Spahn. "Deswegen gehe ich davon aus, dass das auch heute und morgen so stattfindet." Nach den bisherigen Plänen sollte die neue Liefermenge rund 670.000 Impfdosen umfassen.

Auch das Gesundheitsministerium von Nordrhein-Westfalen rechnet damit, dass in dieser Woche noch wie angekündigt geliefert wird. "Die Einschränkungen werden voraussichtlich die geplanten Lieferungen ab der 4. Kalenderwoche betreffen", heißt es von dort. Verlässliche Informationen dazu lägen aber noch nicht vor. Rheinland-Pfalz meldete, man habe am Montag den zugesagten Corona-Impfstoff im "angekündigten Umfang" von 40.0000 Dosen erhalten. Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler verlangte von der Bundesregierung dennoch eine verbindliche Auskunft über das Ausmaß der verringerten Lieferungen. Das Land habe seine Planungen auf die von Bund und Unternehmen fest zugesagten Liefertermine bis Mitte Februar ausgerichtet. Auf dieser Basis seien auch die Termine für Impfungen insbesondere in den Impfzentren bis Mitte Februar vergeben worden. Wer bereits eine Erstimpfung hatte, werde jedoch auch die Zweitimpfung mit dem Biontech-Impfstoff an dem ihnen bereits zugeteilten Impftermin erhalten, stellte die Ministerin klar.

Im Februar könnten die Lieferverzögerungen ohnehin schon wieder Geschichte sein. "Ab der Woche vom 25. Januar werden wir wieder zum ursprünglichen Zeitplan für die Lieferungen zurückkehren", erklärte Biontech am vergangenen Freitag. Dann können demnach wieder 100 Prozent der Europa zugesicherten Impfdosen geliefert werden, ab dem 15. Februar will Biontech die Auslieferungen sogar steigern. Die Umbauarbeiten im Pfizer-Werk im belgischen Puurs, mit dem die dortigen Produktionskapazitäten ausgeweitet werden, sollen dann weitgehend abgeschlossen sein. Von Puurs aus werden weltweit alle Länder außer den USA mit dem Biontech-Impfstoff beliefert.

Ausgleich durch Moderna und Mehrproduktion

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Überdies bekam am Freitag eine geplante neue Produktionsstätte für den Biontech-Impfstoff im hessischen Marburg grünes Licht von den Behörden. Dort soll im Februar Produktionsbeginn sein. Dem Unternehmen zufolge vergehen zwischen der Herstellung und Freigabe des kontrollierten Vakzins dann üblicherweise etwa vier Wochen. Dieser Impfstoff würde dann also im März ausgeliefert werden. Im ersten Halbjahr sollen allein in dem Marburger Werk 250 Millionen Dosen des Impfstoffes hergestellt werden. Die Zusammenarbeit mit weiteren Zulieferern und Auftragsherstellern ist zudem geplant. Biontech versicherte am Freitag in seiner Mitteilung, "dass wir in der Lage sein werden, die volle zugesagte Menge an Impfstoffdosen im ersten Quartal und deutlich mehr im zweiten Quartal zu liefern". Biontech und Pfizer würden EU-Kommission, EU-Länder und andere Staaten über die aktualisierten Liefertermine informieren.

Nach der Zulassung des Moderna-Impfstoffs steht zudem noch ein weiteres Vakzin zur Verfügung, dass von den Biontech-Einschränkungen nicht betroffen ist. In der vergangenen Woche war die erste Lieferung von Moderna am Bundeswehr-Standort Quakenbrück in Niedersachsen eingetroffen. Von dort aus wurden die etwa 60.000 Dosen an die Bundesländer verteilt. Größere Moderna-Lieferungen sind in der vierten, sechsten und achten Kalenderwoche geplant, dann von 674.400 Dosen. Ende Januar könnte zudem die Zulassung eines dritten Impfstoffs des Herstellers Astrazeneca folgen. Von dem Präparat hat die EU 400 Millionen Dosen bestellt.

Quelle: ntv.de, sba/dpa