Panorama

Kunstraub von 1979 aufgeklärt? In DDR gestohlene Bilder offenbar wieder da

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Die Abbildung zeigt das entwendete Selbstbildnis mit Sonnenblume nach Anthonis van Dyck.

(Foto: picture alliance/dpa)

Er zählt zu den spektakulärsten Kriminalfällen in der DDR: 1979 entwenden Diebe aus dem Schlossmuseum Gotha mehrere wertvolle Gemälde alter Meister. Nun sind die Bilder nach Geheimverhandlungen wieder aufgetaucht.

Etwa 40 Jahre nach dem mysteriösen Diebstahl von fünf hochkarätigen Gemälden aus dem Schlossmuseum im thüringischen Gotha sind die Werke möglicherweise wieder aufgetaucht. Das teilte die Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha mit. Laut dem "Spiegel" befinden sich die Bilder alter Meister bereits seit September im Rathgen-Forschungslabor der Staatlichen Museen Berlin. Dort werde überprüft, ob es sich tatsächlich um das Diebesgut aus Gotha handele. Der Diebstahl zählt zu den spektakulärsten Fällen in der DDR.

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Das Gemälde "Landstraße mit Bauernwagen und Kühen" ist eines der gestohlenen Gemälde, hier in einer Abbildung zu sehen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Zusammenhang mit den aufgetauchten Gemälden ermittelt die Berliner Polizei gegen aktuell zwei Männer. Es gehe um den Verdacht der Erpressung und Kunsthehlerei, sagte ein Polizeisprecher. Es handelt sich demnach um zwei Deutsche im Alter von 46 und 54 Jahren. Nach Angaben der Stiftung Schloss Friedenstein haben sich im Juli 2018 anonyme Personen über einen Anwalt in Gotha gemeldet. Diese hätten erklärt, die Gemälde zu besitzen, allerdings keine plausible Erwerbsgeschichte angegeben. Wie der "Spiegel" meldet, soll der Gothaer Oberbürgermeister Knut Kreuch monatelange Geheimverhandlungen mit dem Juristen geführt haben. Demnach soll der Anwalt über fünf Millionen Euro für die Werke verlangt haben. Gut ein Jahr nach der ersten Kontaktaufnahme wurden die Bilder übergeben.

Am gestrigen Donnerstag habe es bundesweite Durchsuchungen gegeben, die mit dem Kunstraub von 1979 in Verbindung stünden, teilte die Stiftung weiter mit. Diese seien vom Landeskriminalamt Berlin in Kooperation mit den jeweiligen Kriminalisten der betroffenen Bundesländer erfolgt.

Bei den gestohlenen Werken handelt es sich um die Werke "Brustbild eines jungen Mannes" von Frans Hals, "Landstraße mit Bauernwagen und Kühen" von Jan Brueghel dem Älteren, "Selbstbildnis mit Sonnenblume" von Anthonis van Dyck, "Alter Mann" von Jan Lievens sowie von Hans Holbein dem Älteren die "Heilige Katharina". Ihr Wert war damals mit etwa fünf Millionen DDR-Mark angegeben worden.

Die Bilder waren in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember 1979 spurlos verschwunden. Eine Sonderkommission der DDR-Kriminalpolizei ermittelte wochenlang ohne greifbare Ergebnisse. Fakt ist, dass die Täter bestens vorbereitet und informiert waren. Eine neu eingebaute Alarmanlage sollte drei Tage später aktiviert werden. Mindestens ein Täter war mit Steigeisen an der Westfassade des imposanten Barockschlosses über Dachrinne und Blitzableiter bis zum zweiten Obergeschoss geklettert und durch ein Fenster eingestiegen, wahrscheinlich gegen 2.00 Uhr nachts. Die Klimaschreiber registrierten um diese Zeit einen Temperaturabfall.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa