Feuer sind zeitiger dranIn Südfrankreich stehen 900 Hektar Wald in Flammen

In Deutschland ist die größte Hitze zunächst durch - ganz anders sieht es in Frankreich und Italien aus. Während es in Norditalien nur extrem trocken ist, brennen in Frankreich bereits Wälder. Das passiert fast jedes Jahr - 2026 aber viel zeitiger, als gewohnt.
Hunderte Feuerwehrleute haben in Südfrankreich mehrere Waldbrände bekämpft. Nördlich von Narbonne brannten bereits 900 Hektar Vegetation ab, das Feuer konnte bisher nicht eingedämmt werden. "Wir wurden gestern Nachmittag evakuiert und konnten die Flammen von der Straße aus sehen", sagte Béatrice Bourrel aus dem Ort Pouzols-Minervois. Das Dorf sei "schwarz vor Rauch" gewesen.
Etwa 800 Feuerwehrleute, 150 Fahrzeuge und mehrere Löschflugzeuge waren im Einsatz. Die von der jüngsten Hitzewelle bereits ausgetrocknete Vegetation und starker Wind mit bis zu 60 Kilometern pro Stunde erschwerten die Löscharbeiten. Mehrere Straßen wurden gesperrt. Zudem wurden Notunterkünfte eingerichtet für Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten.
Nördlich der Hafenstadt Marseille brachen zwei weitere Waldbrände aus, die mittlerweile unter Kontrolle gebracht wurden. In der Nähe von Rognac brannten 50 Hektar ab. In der Nähe von Lançon-Provence wurden 260 Hektar durch Flammen zerstört. Dort waren auch zwei Löschflugzeuge im Einsatz.
Etwa 600 Menschen, die die Nacht in Notunterkünften verbracht hatten, konnten nunmehr in ihre Häuser zurückkehren. Mehrere Züge zwischen Marseille, Bordeaux und Avignon wurden gestrichen. Drei Lagerhallen, mehrere Lastwagen und ein Haus wurden durch die Flammen beschädigt.
Frankreich erwartet bereits dritte Hitzewelle
Innenminister Laurent Nuñez rief zu erhöhter Wachsamkeit auf. "Die nächsten Tage werden kompliziert sein", sagte er mit Blick auf die erwartete dritte Hitzewelle. Derzeit gilt in sechs Départements rund um das Mittelmeer die höchste Waldbrand-Warnstufe. Die Wälder im Département Aude dürfen nicht betreten werden.
Laut Premierminister Sébastien Lecornu seien die Brände etwa zwei bis drei Wochen früher als gewöhnlich im Jahr aufgetreten. Lecornu zufolge brachen seit Beginn der Saison rund 7000 Feuer aus, 8700 Hektar Land seien verbrannt. Genauer benannte der Premier den Zeitraum aber nicht. Allein am Mittwoch und Donnerstag seien circa 2000 Feuerwehrleute im Einsatz gewesen. Die Lage sei angespannt.
Frankreich durchlebte im Juni eine außergewöhnlich lange und intensive Hitzewelle. Seit einigen Tagen ist es wieder abgekühlt. Hitze allein löst zwar noch keine Waldbrände aus. Aber hohe Temperaturen, Trockenheit, geringe Luftfeuchtigkeit und Wind können das Risiko für Waldbrände steigern.
Ähnliche Trockenheit herrscht auch in Teilen Italiens. Die Region Venetien im Nordosten hat wegen einer Dürre den Notstand ausgerufen. Unter Verweis auf "abnormale" Bedingungen forderte Venetiens Präsident Alberto Stefani die örtlichen Behörden auf, einen "sparsameren und nachhaltigeren Umgang mit Wasserressourcen" zu finden, wie es in einer Erklärung hieß. Zwischen Januar und Mai war weniger aus 75 Prozent des Regens gefallen, wie im gleichen Zeitraum 2025.
Die Durchflussmengen der wichtigsten Flüsse der Region lagen den Behörden zufolge "deutlich und konstant" unter dem Durchschnitt. Beim Po, dem größten Fluss Italiens, waren sie um 23 Prozent niedriger. Auch der Wasserstand des Gardasees sei "erheblich fallend", teilte die Region mit. Der größte See Italiens ist nicht nur ein beliebtes Urlaubsziel, sondern auch eine wichtige Wasserquelle für Landwirtschaft, Fischerei und Industrie.
In Italien ist die Ausrufung des Notstands relativ üblich, da dieser Schritt eine schnellere Freigabe von staatlichen Mitteln und eine Beschleunigung behördlicher Verfahren ermöglicht.
In der Erklärung der Region wurden die Wasserbehörden aufgefordert, die am stärksten betroffenen Gemeinden über mögliche Wassersparmaßnahmen zu informieren. Diese können demnach Einschränkungen beim Bewässern von Gärten und Rasenflächen, beim Waschen von Höfen sowie beim Befüllen von Schwimmbädern und Springbrunnen beinhalten. Stefani warnte die Landwirte zudem vor möglichen "sich verschärfenden Wasserknappheitsproblemen" im Juli und August.