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Nur schlechte Nachrichten In Totalán herrscht blanke Wut

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Julens Eltern verfolgen die Arbeiten ohnmächtig.

(Foto: REUTERS)

Die Suche nach dem zweijährigen Julen verzögert sich immer wieder aufs Neue, auch weil kein besseres Gerät zur Verfügung steht. Psychologinnen versuchen rund um die Uhr, die verzweifelten Eltern zu beruhigen. Dass die Rettungs- wohl längst eine Bergungsaktion ist, wagt niemand auszusprechen.

Die Stahlverkleidung für den Rettungsschacht baumelt am Nachmittag immer noch an dem riesigen Kran. Längst hätten die tonnenschweren Rohre in den Unglücksberg nahe der südspanischen Ortschaft Totalán versenkt werden sollen. Dort wird in über 70 Metern Tiefe der zweijährige Julen vermutet. Das Kind war bereits am 13. Januar in ein schmales Bohrloch abgerutscht. Seitdem sind bis zu 300 Helfer Tag und Nacht im Einsatz. Doch schon wieder gab es Verzögerungen. Kleinlaut hatten die Verantwortlichen am Abend zuvor einräumen müssen, dass die Bohrung nicht exakt vertikal verlief. Stundenlang wurde nachgebessert.

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Seit zehn Tagen prasseln die schlechten Nachrichten auf die Eltern des Kindes ein wie Gewehrsalven auf Soldaten im Schützengraben. Nur finden die Eltern keine Deckung, ganz gleich, wohin sie abtauchen. Jede neue Hiobsbotschaft ist ein stechender Schmerz, der ihnen einen Stück Lebensmut raubt. 40.000 Tonnen Erde wurden auf dem Berg schon bewegt in den vergangenen zehn Tagen, aber Julen wurde nicht gefunden. Vor einer Woche noch hatte der Vater zaghaft die Hoffnung geäußert, dass das Kind einen Schutzengel habe. Damals hieß es, binnen 24 bis 48 Stunden könnte Julen erreicht werden. Das ist jetzt schon so lange her, dass die Hoffnung der Angehörigen sich zu blanker Wut gewandelt hat.

Jeden Morgen werden die Eltern über den Fortgang der Rettung in ihrem Haus persönlich informiert. Am Dienstagmorgen bei einem dieser Briefings hatte der Vater des Jungen die anwesenden Politiker und Beamte, die verantwortlich sind für die Bergung, aus Verzweiflung und Zorn lautstark angebrüllt, wie es aus Kreisen der Familie heißt. Offiziell lassen die Sprecher der Rettungsaktion mitteilen: "Die Eltern vertrauen den Arbeiten." Fakt ist aber, dass die Chancen nur noch verschwindend gering sind, das Kind lebendig aus dem Berg zu holen. Julen leidet zudem an Asthma, wie ein Freund des Vaters bestätigte.

Falsche Entscheidungen, falsches Equipment

Kritik müssen die Verantwortlichen auch von spanischen Ingenieuren und Architekten vor Ort einstecken. Der leitende Ingenieur sei nicht für diese Rettung geeignet, weil ihm die praktische Erfahrung fehle. Auf konkrete Hilfsangebote von Experten reagierten die Verantwortlichen gleich in mehreren Fällen nicht.

Der deutsche Maschinenbauer Philip Porten verfolgt die Rettung indes aus der Ferne. Er ist Projektleiter bei einem deutschen Hersteller für die Entwicklung genau solcher Bohrgeräte, wie sie in Totalán im Einsatz sind. "Es gibt Maschinen, die geeigneter sind als die Mait HR 260, die dort verwendet wird. Aber natürlich ist das immer auch eine Frage der schnellen Verfügbarkeit", sagt Porten.

Die Zahl der deutlich leistungsfähigeren Geräte, die wesentlich schneller und präziser bohren als das Modell vor Ort, schätzt er auf 300 bis 400 "in ganz Europa von Spanien bis zur Ukraine". Abbau, Verladung, Transport und Wiederaufbau solcher Maschinen, die 120 Tonnen oder mehr wiegen, hätte mit einem eingespielten Team mindestens drei Tage verschlungen, bei längeren Distanzen entsprechend mehr. Das jetzt verwendete Gerät war allerdings auch erst fünf Tage nach dem Sturz des Jungen am Unglücksort. Dabei wird zurzeit nur zehn Autostunden von Totalán entfernt eine dieser leistungsstarken Maschinen verwendet, wie ein Bauunternehmer bestätigt. Angefordert wurde sie nicht. Die Abweichung bei der Bohrung von der vertikalen Linie, die die jüngste Verzögerung am heutigen Mittwoch begründete, hätte damit verhindert werden können. Alternativ wäre auch der Einsatz von sogenannten Verrohrungsmaschinen möglich gewesen, die gleichzeitig mit einem Bohrgerät die Bohrung sowie die Metallverkleidung des Tunnels hätte herstellen können.

Hartes Terrain, auch für Profis

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Den Eltern bleiben all diese vertanen Möglichkeiten nicht mehr verborgen und lasten zunehmend auf ihrer Seele. Francisca Ruíz ist eine der Psychologinnen, die immer zu zweit rund um die Uhr bei der Familie sind, genauso wie einige Freunde und Angehörige. Ruíz empfängt Gäste in ihrem Büro am Plaza de la Marina, Haus Nummer 2, fünfter Stock, im Zentrum der 20 Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Málaga. "Die ganze Situation ist sehr ungewiss. Es geht darum, die Emotionen auf angemessene Art zu kanalisieren. Wir versuchen, die Emotionen der Eltern herunterzuschrauben", sagt sie.

Es ist auch für die Psychologinnen eine hartes Terrain. Auch sie wissen nicht, ob das Kind noch lebt. Machen sie den Eltern überhaupt noch Hoffnung oder bereitet man sie auf den möglichen Tod des Jungen vor? "Wir arbeiten mit den Information, die uns die Techniker geben. Die leiten wir weiter an die Eltern und helfen ihnen, mit der Realität umzugehen." Mit dem möglichen Tod des Kindes würde eine neue Phase der Betreuung beginnen. Doch so weit will Ruíz momentan noch nicht denken. "Wir unterstützen nur die Eltern, damit sie einigermaßen ihre Fassung bewahren und dass sie sich und ihre Gefühle kontrollieren können, solange die Rettungsaktion andauert."

Quelle: n-tv.de

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