Panorama

"Ehrgeiziges Vorhaben" Indien startet weltgrößte Volkszählung

01.04.2026, 13:01 Uhr
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Nichts für Klaustrophobiker: Gläubige versammeln sich zu Ehren eines Gottes zu einer Prozession in Patna. (Foto: picture alliance / Sipa USA)

Die letzte Volkszählung in Indien ist mehr als 15 Jahre her. Die Regierung will nun genau feststellen, welche und wie viele Menschen in ihrem Land leben. Das Vorhaben hat auch heikle Seiten.

Bei der weltweit größten Volkszählung will Indien zum ersten Mal seit mehr als 15 Jahren wieder die Zahl seiner Einwohner erfassen. Erstmals sollen die Daten bei der Zählung, die heute begann und über ein Jahr dauern soll, digital abgefragt werden. Mehr als drei Millionen Helfer sollen eingesetzt werden, um die erwünschten Informationen zum Bevölkerungs- und Wohnungsbestand über mobile Apps zu sammeln.

Die Regierung nannte den "Zensus 2027" das "ehrgeizigste demografische Vorhaben in der Geschichte Indiens" und die "größte administrative und statistische Aufgabe weltweit". Der Zensus soll unter anderem eine aktuelle Datengrundlage für Sozialprogramme sowie andere staatliche Projekte schaffen.

Die bisher letzte Zählung im Jahr 2011 hatte eine Einwohnerzahl von mehr als 1,2 Milliarden Menschen ergeben. Schätzungen zufolge stieg die Zahl inzwischen auf weit über 1,4 Milliarden an - Indien überholte China nach UN-Angaben vor drei Jahren als bevölkerungsreichstes Land der Erde.

Frage nach der Kaste

Die 16. Volkszählung in Indien soll laut der Regierung in zwei Phasen ablaufen. Zunächst sollen Informationen über den Wohnungsbestand sowie Merkmale wie Ausstattung und Vermögenswerte der Haushalte gesammelt werden. Die Menschen haben dabei auch erstmals die Möglichkeit, ihre Daten selbstständig online über ein Portal einzugeben, anstatt sie einem Fragesteller mitzuteilen.

Im nächsten Jahr findet dann die eigentliche Zählung der Bevölkerung statt. Auch sollen dabei wirtschaftliche Merkmale, Bildungs- und Migrationshintergrund sowie Fertilität abgefragt werden. Zudem sollen die Befragten angeben, welcher Kaste sie angehören. Die jahrtausendealte Tradition des hierarchischen Kastenwesens hat nach wie vor Auswirkungen auf das tägliche Leben vieler Menschen im Land. Das Vorhaben gilt als heikel. Kritiker befürchten, Gräben zwischen den Kasten könnten damit aufgerissen werden.

Die neue Volkszählung war ursprünglich für 2021 geplant, sie wurde jedoch wegen der Corona-Pandemie sowie logistischer Probleme und Wahlterminen verschoben.

Quelle: ntv.de, raf/dpa

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