Panorama

Frau vergewaltigt und angezündet Indische Polizei tötet mutmaßliche Mörder

Der Fall einer vergewaltigten und ermordeten Tierärztin sorgt in Indien für wütende Proteste. Nun sind die vier Tatverdächtigen tot – erschossen von Polizisten. Hunderte Menschen feiern die Beamten daraufhin mit Feuerwerk und bestreuen sie mit Blumen. Andere sehen einen gefährlichen Präzedenzfall.

In Indien sind nach der Vergewaltigung und dem Mord an einer jungen Frau die vier mutmaßlichen Täter von der Polizei erschossen worden. Polizisten hätten in der Nacht zum Freitag mit den Verdächtigen den Tatort begehen wollen, sagte ein Mitarbeiter der Polizei. Dabei hätten die Männer plötzlich versucht, die Waffen der Beamten zu ergreifen und zu fliehen. Die Polizisten hätten die Männer aus Notwehr erschossen.

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Blüten liegen auf der Erde an dem Ort, an dem der verbrannte Körper der 27-jährigen Frau vergangene Woche von einem Passanten gefunden wurde.

(Foto: dpa)

Die Familie des Opfers begrüßte den Tod der Männer, Politiker und Frauenaktivistinnen dagegen kritisierten das Verhalten der Polizei. Nach dem Tod der vier mutmaßlichen Täter riegelte die Polizei das Gelände ab. Hunderte Menschen strömten zusammen, um die Polizisten zu feiern. Einige zündeten zur Feier Feuerwerkskörper an, die Beamten wurden mit Blütenblättern bestreut. Auch aus anderen Landesteilen wurde von Freudenfeiern berichtet.

Die Schwester der Ermordeten erklärte ebenfalls, der Tod der Verdächtigen freue sie. Der Vater des Opfers bedankte sich bei der indischen Regierung und Polizei, wie er der indischen Nachrichtenagentur ANI sagte: "Die Seele meiner Tochter wird jetzt in Frieden ruhen." Auch in den sozialen Netzwerken gab es viel Zustimmung für die Beamten.

"Was passiert ist, ist sehr gefährlich"

Mehrere Politiker und Aktivisten äußerten hingegen Bedenken. Die frühere Ministerin Maneka Gandhi sagte: "Was passiert ist, ist sehr gefährlich. Man kann nicht einfach Menschen töten, wenn man das möchte. Man kann das Gesetz nicht einfach in die eigenen Hände nehmen."

Die Polizisten hätten die Verdächtigen entweder hingerichtet oder sie seien schlicht inkompetent gewesen, twitterte die Südasien-Chefin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Meenakshi Ganguly. "Um der Wut der Öffentlichkeit über das Versagen des Staates bei sexuellen Übergriffen entgegenzuwirken, machen sich indische Behörden einer erneuten Zuwiderhandlung schuldig. Menschenrechtsaktivisten werfen Polizei und Behörden immer wieder vor, mit außergerichtlichen Tötungen Gerichtsverfahren zu verhindern - oftmals, um die Aufarbeitung von eigenen Versäumnissen und Fehlverhalten zu verhindern.

Die getöteten Männer waren im Alter zwischen 20 und 30. Sie werden verdächtigt, vergangene Woche eine 27 Jahre alte Tierärztin vergewaltigt und getötet zu haben. Die junge Frau verschwand laut Polizeiangaben bei einer Mautstation nahe der Millionenstadt Hyderabad, wo sie ihren Motorroller geparkt hatte. Männer hatten der Frau demnach angeboten, bei der Reparatur ihres Rollers zu helfen, dann sollen sie die Frau verschleppt, vergewaltigt und getötet haben. Anschließend sollen sie die Leiche zu einer rund 25 Kilometer entfernten Straßenunterführung gebracht und angezündet haben. Sie hatte kurz zuvor noch ihre Schwester per Handy alarmiert.

Wütende Proteste im ganzen Land

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Auch in Kalkutta gingen Menschen nach dem Mord an der 27-Jährigen auf die Straße.

(Foto: dpa)

Die Taten hatten landesweit wütende Proteste ausgelöst. In mehreren Städten forderten Tausende Menschen eine rasche und harte Verurteilung der vier Verdächtigen sowie mehr Rechte für Rauen. Am vergangenen Samstag hielt die Polizei in Hyderabad nur mit Mühe eine aufgebrachte Menge davon ab, die Wache zu stürmen, in der die vier Männer festgehalten wurden.

In Indien hat es in den vergangenen Jahren immer wieder Fälle von sexueller Gewalt gegen Frauen und Kinder gegeben, die auch international Bestürzung auslösten. 2012 war eine Studentin in einem Bus in Neu Delhi während der Fahrt von mehreren Männern vergewaltigt und so schwer verletzt worden, dass sie starb. Dieser Fall hatte in dem Land zu großer Empörung und schärferen Gesetzen geführt.

Nach den amtlichen Statistiken wurden im Jahr 2017 33.000 Vergewaltigungen gemeldet, darunter mehr als 10.000 Vergewaltigungen von Minderjährigen. Nach Angaben von Experten verzichten jedoch viele Opfer auf eine Anzeige.

Quelle: ntv.de, hul/dpa/AFP