Panorama

"Worauf warten wir noch?" Intensivmedizin dringt auf eiligen Lockdown

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Auf den Intensivstationen bereite man sich laut Janssens schon auf "Priorisierungs-Situationen" vor.

(Foto: dpa)

Auf den Intensivstationen arbeiten Ärzte und Pflegekräfte am Rande des Zumutbaren. Divi-Chef Janssens mahnt daher die Politik zur Eile: Ein sofortiger Lockdown müsse kommen, "daran führt kein Weg vorbei". Wer jetzt noch bis Weihnachten warten wolle, handele "schier unverantwortlich".

Intensivmediziner haben rasche Entscheidungen für zusätzliche bundesweite Corona-Beschränkungen gefordert. "Wir brauchen jetzt einen durchgreifenden Lockdown. Daran führt kein Weg vorbei", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Uwe Janssens. Jeder weitere Tag ohne Lockdown koste Menschenleben. Selbst ein sofortiger Lockdown würde die Zahlen erst in zwei bis drei Wochen deutlich sinken lassen. "Ein Zögern und Warten auf Weihnachten ist schier unverantwortlich." Die Belastungen auf den Intensivstationen hätten ein Ausmaß angenommen, das nicht mehr lange von Pflegern und Ärzten gestemmt werden könne.

"Worauf warten wir noch?", fragte Janssens. "Weitere 14 Tage nach dem Motto 'Augen zu und durch!' erscheinen angesichts der heutigen Zahlen nicht mehr nachvollziehbar." Das Robert-Koch-Institut meldete knapp 30.000 Neuinfektionen binnen eines Tages sowie fast 600 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19. Janssens rechnete vor, dass bei gleichbleibenden Zahlen bis Weihnachten 420.000 Neuinfizierte hinzukämen. "Die sich daraus ableitenden Zahlen an Krankenhauspatienten und schwerst erkrankten Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigen, wird dann nicht mehr adäquat zu behandeln sein", so Janssens. Man bereite sich auf "Priorisierungs-Situationen" vor.

Wie die Organisation erläuterte, komme es auf ein gemeinsames Handeln aller Länder an. Auch der Norden, der derzeit noch wenig betroffen sei, müsse mitziehen. Nötig sei die Möglichkeit einer Reserve, um Patienten in weniger belastete Regionen verlegen zu können. Schon jetzt seien teils längere Transportzeiten für Notfallpatienten nötig, bis die nächste Klinik mit freier Behandlungskapazität erreicht sei.

Quelle: ntv.de, jog/dpa

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