Panorama

Gentest offenbart Verhängnis Inzucht-"Schock" bei Eisbärin Hertha

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Hertha ist das Ergebnis einer unwissentlichen Inzucht.

(Foto: imago images/Olaf Wagner)

Eisbärin Hertha begeistert seit mehr als zwei Jahren die Besucher des Tierparks Berlin. Nun ist die Aufregung um sie groß: Ihre Eltern seien Geschwister, teilt der Tierpark mit. Die Inzucht fand unwissentlich statt, falsch zugeordnete Papiere sind der Grund. Für Hertha hat das arge Konsequenzen.

Die junge Eisbärin Hertha aus dem Berliner Tierpark ist das Ergebnis einer unwissentlichen Inzucht. Die Eltern des Publikumslieblings sind Geschwister, wie Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem mitteilte. Der Eisbärenmutter Tonja seien im Zoo Moskau nach ihrer Geburt 2009 falsche Papiere zugeordnet worden. Die Eisbärin, die seit 2011 in der Einrichtung im Ostteil Berlins lebt, soll nun keinen weiteren Nachwuchs bekommen.

Mutter und Tochter Hertha bleiben aber bis auf Weiteres in Berlin, wie Knieriem betonte. "Beide kommen gut klar, sie respektieren und akzeptieren sich." Wolodja, der Vater der rund zweijährigen Hertha, stammt von denselben Eltern wie Tonja ab. Er kam 2019 von Berlin aus in die Niederlande.

Einer Biologin aus dem Moskauer Zoo waren bei der Durchsicht von älteren Unterlagen widersprüchliche Angaben zum Geburtsdatum Tonjas aufgefallen. Bei einer anderen Eisbärenfamilie in Moskau war beinah zeitgleich zu Tonjas Geburt ein weiteres weibliches Jungtier geboren worden. Eine Genanalyse habe nun Klarheit gebracht.

Das Ergebnis sei für viele im Tierpark ein Schock gewesen, so Direktor Knieriem. "Für die verantwortungsvolle Arbeit des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes ist dieser folgenschwere Fehler ein sehr bedauerlicher Rückschlag." Es gebe vorerst keine neue Zuchtgenehmigung. Achim Gruber, Direktor des Instituts für Tierpathologie an der Freien Universität, antwortete auf die Frage, was die Inzucht für Hertha bedeute: "Nichts". Bei einem Fall von Inzucht in einer Eisbären-Generation seien keine negativen Folgen für Nachkommen zu erwarten.

Tierschützer hatten gewarnt

Knieriem betonte, er wolle keine Schuldzuweisungen an die Moskauer Einrichtung adressieren. Es sei ein menschlicher Fehler passiert. Zudem habe es in diesem Fall Transparenz gegeben. Allerdings habe es bereits 2013 schon den Verdacht der Verwandtschaft gegeben, so sagt es James Brückner, der Leiter des Artenschutzreferats beim Deutschen Tierschutzbund. Damals war Eisbär Wolodja in der Hauptstadt angekommen. Die damalige Tierparkleitung habe dies strikt zurückgewiesen, so Brückner.

Die nun bekanntgegebene Verwechslung sei ein "Desaster für die ohnehin fragwürdigen Zuchtbemühungen für Eisbären in Zoos", betonte Brückner. Zuchtprogramme in Zoos könnten zwangsläufig nur auf einen kleinen Genpool zurückgreifen, es seien auch weitere Beispiele von Inzucht in der europäischen Zoopopulation von Eisbären bekannt. "Angesichts der vielfältigen Probleme, die mit der Haltung von Eisbären in Zoos einhergehen, darunter hohe Jungtiersterblichkeit und Verhaltensstörungen, sollten Zoos künftig auf Haltung und Zucht dieser Tierart verzichten", betonte Brückner.

Eisbären gelten als Symbol für die bedrohte Natur auch durch den Klimawandel. In Freiheit leben noch geschätzt etwa 20.000 bis 25.000 der bedrohten Tiere.

Quelle: ntv.de, ara/dpa

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