Panorama

Menschenrechte laut EU verletzt Italien muss Amanda Knox entschädigen

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Amanda Knox, hier im April 2017, erhält vom italienischen Staat eine Entschädigungszahlung.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Zwölf Jahre ist es bereits her, dass die italienische Polizei die Mordverdächtige Amanda Knox verhört hatte. Dabei seien ihre Menschenrechte verletzt worden, beschwerte sich die US-Bürgerin. Nun gibt ihr ein EU-Gericht recht und nimmt Italien in die Pflicht.

Italien muss der erst wegen Mordes verurteilten und dann freigesprochenen US-Bürgerin Amanda Knox mehr als 18.000 Euro Entschädigung zahlen. Die italienischen Behörden hätten bei der Befragung Knox' mehrere ihrer Menschenrechte verletzt, urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg.

Demnach seien die Behörden nicht den Anschuldigungen der US-Amerikanerin nachgegangen, von der Polizei geschlagen und unter Druck gesetzt worden zu sein. Außerdem habe Italien nicht zufriedenstellend begründet, warum Knox im Jahr 2007 bei einem entscheidenden Polizeiverhör keinen Anwalt gestellt bekommen habe. Damit habe Italien gegen das Recht auf ein faires Verfahren sowie - auf prozeduraler Ebene - gegen das Misshandlungsverbot verstoßen. Das Urteil kann noch innerhalb von drei Monaten angefochten werden.

Knox war 2009 wegen Mordes an der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher in Italien zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden - nach fast acht Jahren Justizgerangel kam jedoch der Freispruch für Knox. Die heute 31-Jährige hatte als "Engel mit den Eisaugen" Bekanntheit erlangt und schon rund vier Jahre in Haft gesessen.

Ein Urteil wegen falscher Verdächtigung blieb jedoch bestehen: Knox hatte nach Überzeugung der italienischen Richter einen Bekannten des Mordes an Kercher beschuldigt, obwohl sie um seine Unschuld wusste. Die Amerikanerin machte jedoch vor dem Straßburger Gericht geltend, dass sie diese Aussage im Schockzustand nach dem Fund der Toten und unter dem Eindruck von Schlägen der Polizei gemacht habe. Außerdem habe ihr weder ein Anwalt noch ein Dolmetscher zur Seite gestanden.

Quelle: ntv.de, cri/dpa