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Mitglieder von Ōmu Shinrikyō in Tokio im April 1995.
Mitglieder von Ōmu Shinrikyō in Tokio im April 1995.(Foto: imago/AFLO)
Mittwoch, 14. März 2018

Sekte verübte Giftgasangriff: Japan bereitet Hinrichtungen vor

Vor 23 Jahren erschüttert der Giftgasangriff mit 13 Toten in der Tokioter U-Bahn ganz Japan. Hinter dem Attentat steckt eine berüchtigte Endzeitsekte. Nun sollen Drahtzieher und Sektenmitglieder hingerichtet werden.

23 Jahre nach einem tödlichen Giftgasanschlag einer japanischen Endzeitsekte auf Tokios U-Bahn gibt es Anzeichen für bevorstehende Hinrichtungen der Täter. Das Justizministerium in Tokio habe damit begonnen, 7 von 13 wegen des Anschlags sowie anderer Morde zum Tode Verurteilten aus ihrer Haftanstalt in Tokio in andere Gefängnisse zu verlegen. Dies deute darauf hin, dass ihre Exekution durch den Strang damit näherrücke, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf informierte Kreise.

Japan, die drittgrößte Wirtschaftsnation der Welt, gehört zu den wenigen Industrieländern, die an der Todesstrafe festhalten. Menschenrechtler prangern seit Jahren den Umgang mit Hinrichtungen sowie die Haftbedingungen in Japan an. Als besonders grausam kritisieren auch ausländische Regierungen, dass den Todeskandidaten in Japan der Zeitpunkt ihrer Hinrichtung erst unmittelbar zuvor mitgeteilt wird.

Was ist Sarin?

Das Nervengas Sarin wurde 1938 von deutschen Chemikern der IG-Farben entwickelt. Es ist hochwirksam, schon kleinste Mengen wirken tödlich. Es kann über die Haut oder Atmung aufgenommen werden und dann zur vollständigen Lähmung führen. Da es weder riecht noch sichtbar ist, lassen sich Wasser und Nahrung damit leicht vergiften.

Zu den 13 Todeskandidaten gehört der Drahtzieher und Gründer der Endzeitsekte, Shoko Asahara. Am 20. März 1995 hatten Mitglieder seiner Sekte unter dem Regierungsviertel der japanischen Hauptstadt in mehreren Zügen Plastiktüten mit Sarin verteilt, aufgestochen und so das Nervengas freigesetzt. 13 Menschen starben, mehr als 6000 wurden verletzt. Im Januar dieses Jahres wurde das letzte Gerichtsverfahren gegen Mitglieder der Sekte abgeschlossen. Am Dienstag beantragte zwar einer der Todeskandidaten, der 48 Jahre alte Yoshihiro Inoue, eine Neuverhandlung seines Falls. Doch das dürfte an seinem Schicksal nichts ändern. Lange Zeit war es in Japan zwar üblich, Todeskandidaten nicht während ihres Antrags auf Neuverhandlung zu exekutieren. Doch Justizminister Katsutoshi Kaneda machte deutlich, dass solche Einlassungen keinen Aufschub bedeuten.

Für Exekutionen hat Japan sieben Standorte: in den Städten Sapporo, Sendai, Tokio, Nagoya, Osaka, Hiroshima und Fukuoka. Wohin die sieben zum Tode Verurteilten verlegt werden, sei zwar unklar, hieß es.  Allerdings berichteten Reporter vor den Gefängnissen in Sendai und Nagoya über die Ankunft von Bussen mit Todeskandidaten. Sektengründer Asahara soll demnach weiter im Gefängnis in Tokio sein.

Der inzwischen 63-jährige Asahara hatte das spirituelle Vakuum genutzt, das nach den wirtschaftlichen Boom-Jahren in Japan entstanden war und die junge Generation zu neuen Religionen trieb. Mit dem Saringas-Attentat in Tokio soll die Sekte versucht haben, eine geplante Razzia der Polizei gegen ihr Hauptquartier am heiligen Berg Fuji zu verhindern. Der Anschlag wurde für Japan zu einem gesellschaftlichen Trauma. Er zerstörte die Überzeugung der Japaner, in einem Sicherheitsparadies zu leben. Noch heute leiden viele der Opfer unter den psychischen, physischen und finanziellen Folgen. Wegen des Giftgasanschlags auf die Tokioter U-Bahn sowie anderer Verbrechen mit insgesamt 29 Todesopfern wurden 13 Todesurteile verhängt, 6 andere Angeklagte erhielten lebenslange Haft.

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Quelle: n-tv.de