Panorama

Fünfter Rekordzuwachs in Folge Japan fürchtet "explosiven" Corona-Anstieg

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Noch immer sind die Straßen von Tokio mit Menschen gefüllt.

(Foto: imago images/UPI Photo)

Wochenlang meldet Japan nur wenige Corona-Fälle, die Regierung in Tokio scheint das Virus im Griff zu haben. Doch fehlende Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen machen sich bemerkbar: Die Gesundheitsbehörden geben bereits den fünften Tag in Folge steigende Fallzahlen bekannt.

Das japanische Gesundheitsministerium hat 714 weitere nachgewiesene Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Damit verzeichnet Japan bereits den fünften Tag in Folge einen Rekordzuwachs bei der Zahl der Neuinfektion, berichtet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Am Vortag wurden 634 neue Fälle bestätigt, ebenfalls ein Rekord. Nach offiziellen Angaben sind damit insgesamt 7460 Coronavirus-Fälle in Japan bestätigt, darunter auch die 712 Fälle des Kreuzfahrtschiffes "Diamond Princess". Die Todeszahl liegt derzeit bei 109.

Mit der Zahl der Infizierten wächst in Japan die Kritik an Ministerpräsident Shinzo Abe. Die Regierung habe durch spärliches Testen die Fallzahlen lange kleingehalten und zu spät und zu wenige Maßnahmen gegen die Ausbreitung angeordnet, kritisieren Mediziner und internationale Beobachter. Demnach hat Japan erst am 1. April erstmals mehr als einhundert neue Infektionen an einem Tag gemeldet. Seither ist die Kurve der Corona-Fälle steil gestiegen.

Experten drängen die Regierung deshalb verstärkt zum Handeln. Vertreter des Medizinerverbands warnen schon länger vor einem "explosiven Anstieg" bei den Infektionen. In Japan würden Personen mit keinen oder milden Symptomen nicht getestet, merkte der oppositionelle Abgehordnete Hiroshi Kawauchi in dieser Woche an.

Laut einer Studie der Oxford-Universität liegt die Zahl der Tests auf 1000 Einwohner in Japan bei 0,57. Deutschland führt demnach 15,97 Tests pro 1000 Einwohner durch. In Südkorea, das ebenfalls als Land gilt, das sehr viel und sehr streng testet, sind es 9,77 Tests pro 1000 Einwohner.

Südkorea als Gegenpol

Überhaupt bildet Südkorea, das anfangs zusammen mit China am stärksten vom Coronavirus betroffen war, einen Gegenpol zu Japan. Während die Regierung in Tokio derzeit täglich neue Rekordzahlen vermeldet, gibt Seoul nur noch etwa 30 Neuinfektionen pro Tag bekannt. Die Gesamtzahl der Infizierten liegt in Südkorea derzeit bei 10.512. "Die Entscheidung der japanischen Regierung, nicht breit zu testen, macht es schwer, die Verbreitungsrate von Covid-19 akkurat zu erschließen", kritisierte Anfang April auch die US-Botschaft in Tokio.

*Datenschutz

In Japan stehen aber nicht nur die geringe Testrate in der Kritik, sondern auch die bisherigen Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie. Erst Dienstag hatte Abe den Notstand für den besonders betroffenen Großraum Tokio sowie einzelne Provinzen ausgerufen. Von einem landesweiten "Lockdown" mit Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen war keine Rede. Die Situation in Japans großen Städten unterscheide sich "komplett" von jener in den abgeriegelten Städten im Ausland, hieß es. Entsprechend strömen weiter Millionen Pendler zur Arbeit, wenn auch mit Masken im Gesicht in etwas weniger gefüllten Zügen.

Von den regionalen Entscheidungsträgern wird das als nicht weitreichend genug empfunden. Die Präfekturen Aichi und Kyoto baten die Regierung darum, auch in den Notstandsbereich einbezogen zu werden. Aichi und die Präfektur Gifu erklärten schließlich am Freitag von sich aus den Notstand für ihre Region.

Quelle: ntv.de, chr/dpa