Panorama

Fischer und Anwohner besorgt Japan will radioaktives Wasser ins Meer leiten

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Rund 1,2 Millionen Tonnen gefiltertes Kühlwasser sind bereits in Tanks auf dem Gelände gelagert. In zwei Jahren ist die Kapazitätsgrenze erreicht.

(Foto: picture alliance/dpa)

Fast zehn Jahre sind seit der Atomkatastrophe in Fukushima vergangen. Doch die Probleme nehmen kein Ende. Das weiterhin angereicherte radioaktive Kühlwasser benötigt immer mehr Platz. Nun soll die Flüssigkeit ins offene Meer geleitet werden. Doch es regt sich Widerstand gegen die Maßnahme.

Trotz Protesten von Fischern will Japans Regierung gefiltertes Kühlwasser aus der Atomruine Fukushima ins Meer ableiten. Grund ist, dass allmählich kein Platz mehr zur Lagerung des Wassers auf dem Gelände des 2011 in Folge eines Erdbebens und Tsunamis zerstörten Atomkraftwerks ist.

Wie japanische Medien berichteten, könnte nach siebenjähriger Debatte darüber, was mit dem in riesigen Tanks gelagerten Wasser geschehen soll, noch in diesem Monat eine Entscheidung fallen. Doch da für ein Ableiten des Wassers ins Meer Baumaßnahmen nötig seien und zunächst eine Einschätzung der Atomaufsicht erfolgen müsste, könne es etwa zwei Jahre dauern, bevor mit dem Ableiten begonnen werden kann, hieß es in den Berichten.

Fast zehn Jahre sind vergangen, seit an jenem 11. März 2011 ein schweres Erdbeben und ein gewaltiger Tsunami den Nordosten des Inselreiches heimsuchten. Rund 18.500 Menschen starben damals in den Fluten. Zum Sinnbild der Katastrophe aber wurde der Super-Gau im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, auch wenn dadurch niemand direkt ums Leben kam. Wegen der radioaktiven Strahlung von Kernschmelzen in drei der Reaktoren mussten rund 160.000 Anwohner damals fliehen. Es war die schlimmste Atomkatastrophe seit dem Unfall in Tschernobyl 1986. Inzwischen gilt die Lage in der Atomruine Fukushima als stabil. Doch werden die enormen Mengen verstrahlten Wassers zunehmend zum Problem.

Ableiten sei weltweit übliche Praxis

Noch immer werden die zerstörten Reaktoren mit Wasser gekühlt. Hinzu kommt Grundwasser, von dem ein Teil in die Untergeschosse der Reaktoren gelangt. Ein Teil des dadurch radioaktiv belasteten Wassers wird nach Durchlaufen eines Filtersystems in Tanks gelagert - inzwischen rund 1,2 Millionen Tonnen. Das Filtersystem ALPS kann 62 Nuklide mit Ausnahme von Tritium herausfiltern. Doch musste der Betreiber Tepco die Reinigungsprozesse jüngst erst wiederholen, da die Radioaktivität laut Medien teils noch über den Grenzwerten lag. Jeden Tag kommen rund 170 Tonnen Wasser hinzu, das zwischengelagert werden muss. Inzwischen sind mehr als 1000 Tanks auf dem Gelände voll. Spätestens im Sommer 2022 gehe jedoch der Platz aus, hieß es.

Daher hält die Regierung ein Ableiten des Wassers ins Meer für eine realistische Option. Auch der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde, Rafael Grossi, hatte bei einem Besuch der Atomruine im Februar laut japanischen Medien erklärt, die Ableitung kontaminierten Wassers ins Meer entspreche globalen Standards und sei übliche Praxis auch bei Atomkraftwerken, die ganz normal arbeiteten.

Fischer und Anwohner in Fukushima lehnen eine solche Maßnahme jedoch ab. Der Chef eines Fischereiverbandes drückte diese Woche bei einem Treffen mit einem Sprecher der Regierung seinen Widerstand gegen ein Ableiten des Wassers aus der Atomruine Fukushima ins Meer aus. Auch Südkorea, das gegenwärtig Importe von Meeresfrüchten aus der Region verbietet, hat sich wiederholt besorgt über die Folgen für die Umwelt geäußert. Der neue Regierungschef Yoshihide Suga erklärte, er wolle "so bald wie möglich" eine Entscheidung zu der Wasser-Problematik treffen.

Quelle: ntv.de, jru/dpa