Panorama

Frauen nicht erwünscht Japanische Uni fälscht Zulassungstests

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40 Prozent weibliche Studentinnen waren der Uni offenbar zu viel.

(Foto: Reuters)

Frauen heiraten doch sowieso irgendwann und bekommen Kinder, warum also überhaupt studieren? Dieser Ansicht ist man offenbar an einer Universität in Tokio - und rechnet die Testergebnisse weiblicher Bewerberinnen systematisch herunter, bis die Frauenquote sinkt.

Eine medizinische Hochschule in Tokio hat einem Medienbericht zufolge jahrelang die Ergebnisse der Zulassungstests von Bewerberinnen gefälscht, um die Quote weiblicher Studenten niedrig zu halten. Die Tokyo Medical University habe 2011 damit begonnen, nachdem 2010 die Zahl zugelassener weiblicher Studenten deutlich gestiegen war, berichtete die Zeitung "Yomiuri Shimbun". Testergebnisse weiblicher Kandidaten wurden demnach systematisch mittels eines Koeffizienten heruntergerechnet.

"Frauen scheiden häufig nach dem Abschluss aus (...), wenn sie heiraten und ein Kind bekommen", zitierte die Zeitung eine nicht namentlich genannte Quelle. Innerhalb der Universität seien viele der Meinung, dass deshalb männliche Ärzte den Betrieb am Uni-Krankenhaus absichern müssten. Dazu seien häufige Notfalleinsätze und lange Schichten notwendig.

Die Hochschule habe deshalb versucht, den Anteil zugelassener Studentinnen jedes Jahr bei 30 Prozent zu halten, berichtete die Zeitung. Laut CNN sank die Frauenquote sogar noch weiter: Während im Jahr 2010 noch 40 Prozent der Studenten, die den Zulassungstest bestanden, weiblich waren, waren es in diesem Jahr nur noch 18 Prozent.

Als Reaktion auf den Bericht kündigte die Hochschule eine interne Untersuchung an. Laut "Yomiuri Shimbun" war die Privat-Universität bereits im Visier der Staatsanwaltschaft, weil sie den Sohn eines hohen Beamten des Bildungsministeriums unrechtmäßig zugelassen haben soll.

Japanerinnen sind im internationalen Vergleich hoch gebildet. Die in Japan üblichen langen Arbeitszeiten führen jedoch dazu, dass viele aus dem Job ausscheiden, wenn sie eine Familie gründen. In der Folge sind Frauen in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens in Japan unterrepräsentiert. So sind nur etwa 50 der 465 Abgeordneten des Unterhauses Frauen.

Quelle: n-tv.de, ftü/AFP