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Keine neue Hitzewelle in Sicht Jetzt kommt der "ganz normale Sommer"

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Ob am Fluss oder im Café - bei Temperaturen bis 25 Grad lässt es sich draußen gut aushalten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Legendäre Hitzerekorde und tagelang Temperaturen über 40 Grad - n-tv Wetterexperte Björn Alexander zieht Bilanz zum Juli. Im August, erklärt er, werde der Hochsommer aber wohl ein jähes Ende finden.

n-tv.de: Der Juli geht, der August kommt. Was bleibt vom siebten Monat des Jahres 2019 in Erinnerung?

Björn Alexander: Auf jeden Fall die Rekordhitze, die uns am 25. Juli eine bisher beispiellose Anzahl an Wetterstationen über 40 Grad brachte. Außerdem einen neuen Allzeit-Temperaturrekord von 42,6 Grad in Lingen an der Ems. Der wird zwar in seiner Glaubwürdigkeit von vielen Meteorologen bezweifelt. Aber auch die 41,2 Grad in Tönisvorst oder die 41,1 Grad in Duisburg Baerl und Köln-Stammheim hätten für einen neuen Temperaturrekord gereicht. Ebenso lagen auch die Wetterstationen in Kleve, Bonn-Roleber, Düsseldorf-Flughafen, Nörvenich, Trier, Weilerswist-Lommersum und in Geilenkirchen oberhalb der 40,5 Grad.

Warum 40,5 Grad?

Björn Alexander

Wetterexperte Björn Alexander kann die Hitzerekorde geschichtlich einordnen.

Das war der bis dahin gültige deutsche Allzeit-Rekord. Dieser wurde erst am Vortag, also am 24. Juli, in Geilenkirchen aufgestellt und lag bei 40,5 Grad. Bis dahin waren es 40,3 Grad aus dem Jahr 2015.

Weshalb werden die 42,6 Grad angezweifelt?

Weil der Wert so deutlich über den Temperaturen der umgebenden Wetterstationen liegt. Der Grund könnte sein, dass es in Lingen noch eine Überhitzung aufgrund lokaler Effekte beziehungsweise aufgrund von fehlendem Luftaustausch gibt.

Dennoch war die Hitzewelle historisch, oder?

Das ist sicher. Rund 60 Messstationen aus dem Messnetz des DWD und aus dem privaten Messnetz meldeten Werte jenseits der 40 Grad. Zuvor war das höchstens mal an einzelnen Wetterstationen passiert. Außerdem gab es seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen noch nie an drei Tagen hintereinander in Deutschland 40 Grad oder mehr. Und für diejenigen, die angesichts dieser Fakten immer noch sagen, dass es das bestimmt schon früher gab: die 40 Grad-Marke ist erstmalig im Jahr 1983 in Deutschland überschritten worden. Bis dahin waren solche Temperaturen in Europa überhaupt nur im Mittelmeerraum zu finden.

Wie verhält es sich denn mit der gesamten Monatsstatistik: sind wir da auch auf Rekordkurs?

Eher nicht. Denn das erste Juli-Drittel verlief ja besonders im Norden recht unterdurchschnittlich mit vielen Wolken und kühlem Wind. Zum Teil waren das schon fast herbstliche Verhältnisse und somit kommen wir - trotz des Finales der Hitze-Superlative - "nur" auf eine positive Abweichung von rund 2 Grad. Das ist bezogen auf den aktuell gültigen Referenzzeitraum von 1961 bis 1990. Vergleicht man die Durchschnittstemperatur von knapp 19 Grad mit den letzten Jahrzehnten, dann war der Juli 2019 sogar kaum ein Grad zu warm.

Welche Auffälligkeiten bringt uns die Sonnenbilanz?

Deutschlandweit betrachtet schien die Sonne etwa 230 bis 240 Stunden und damit etwas länger als durchschnittlich im Juli. Bei dem Blick auf die Details fällt allerdings auf, dass die Mitte und der Süden in Sachen Sonnenschein zum Teil deutlich überm Durchschnitt lagen und der Norden dagegen teilweise etliche Sonnenstunden zu wenig abbekommen hat. Auch das ist der Tieffdruckaktivität im Norden in der ersten Monatshälfte geschuldet.

Dann hat es dort bestimmt genug geregnet.

Leider nicht. Denn durch die Wolken hat es in Sachen Trockenheit nur selten mal eine nennenswerte Entspannung gegeben. Regional haben höchstens gewittrige Schauer für eine fast ausgeglichene Regenbilanz gesorgt.

Wo denn?

In Teilen Süd- und Ostdeutschlands. Das kann aber auch nichts daran ändern, dass uns im Juli rund ein Drittel der ansonsten üblichen Niederschläge fehlt und dass im bundesweiten Durchschnitt nur gut 50 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen sind. Besonders trocken war es hierbei zum Beispiel am Niederrhein oder im Münsterland mit kaum 15 Liter pro Quadratmeter. Dementsprechend herrscht - mal abgesehen von den Regionen südlich der Mainlinie - verbreitet Niedrigwasser an den Flüssen und die Forstschäden sind kaum absehbar.

Was verspricht uns denn der August? Mehr Regen oder die nächste Hitzewelle?

Eine neue Hitzewelle ist vorerst einmal nicht absehbar. Spitzenwerte von um die 30 Grad sind hierzulande höchstens am Sonntag oder zu Beginn der nächsten Woche am Oberrhein möglich. Im übrigen Land bewegen wir uns meistens bei Werten von um die 25 Grad. Zudem bleibt es meistens wechselhaft mit sonnigen Phasen, denen immer wieder Regengüsse sowie Blitz und Donner folgen dürften. Das wird die Trockenheit in den tieferen Bodenschichten zwischen einem und zwei Meter kaum beenden. Aber zumindest gibt es für den Oberboden ab und an mal nasse Duschen.

War es das dann mit dem Hochsommer in diesem Jahr?

Schwer zu sagen. Allerdings wird es ab Mitte August allmählich schwierig für markante Hitzewellen. Der Sonnenstand wird niedriger und die Nächte werden länger. Auf der anderen Seite dürfte bei vielen von uns der Wunsch nach Hochsommerhitze - vor allem nach der letzten Hitzewelle - erst einmal eher gering sein. Und auch der ganz normale Sommer hat ja durchaus seine schönen Seiten.

Quelle: n-tv.de

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