Panorama

Worst-Case Szenarien übertroffen Johnson schickt England in späten Lockdown

2020-10-31T191744Z_1997968018_RC2VTJ91M307_RTRMADP_3_HEALTH-CORONAVIRUS-BRITAIN.JPG

Der britische Premier Johnson war lange ein entschiedener Gegner eines neuen Lockdowns. Nun schwenkt er um.

(Foto: REUTERS)

In der Corona-Strategie ist das Vereinigte Königreich längst gespalten. Während Schottland, Nordirland und Wales früh auf die hohe Ansteckungsdynamik reagiert haben, ziert sich der britische Premier lange. Nun verhängt Johnson über England doch noch den Lockdown - die Zuwächse sind allzu alarmierend.

Angesichts der drastisch steigenden Corona-Infektionszahlen hat der britische Premierminister Boris Johnson einen erneuten Lockdown für England angekündigt. Dieser beginne am Donnerstag und solle bis zum 2. Dezember dauern, sagte Johnson am Abend in einer im Fernsehen übertragenen Rede. Die Schulen sollen in dieser Zeit geöffnet bleiben. "Jetzt ist die Zeit um Handeln, weil es keine Alternative gibt", sagte Johnson. Das Coronavirus verbreite sich "noch schneller als im schlimmsten Szenario der wissenschaftlichen Berater". Unmittelbar vor der Bekanntgabe des erneuten Lockdowns hatte die Zahl der Corona-Infektionsfälle in Großbritannien die Schwelle von einer Million überschritten, nachdem fast 22.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet worden waren.

*Datenschutz

Der Premierminister hatte es nach dem ersten landesweiten Lockdown im März bisher abgelehnt, eine solche Maßnahme erneut zu beschließen. Er setzte stattdessen auf regionale Beschränkungen nach einem dreistufigen Warnsystem. Experten warnten aber schon seit Tagen, dass diese Maßnahmen nicht mehr ausreichten, um die rasante Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Großbritannien hat mit mehr als 46.000 Todesfällen die höchste Zahl an Corona-Toten in Europa zu beklagen. Allein in England werden nach Angaben des britischen Statistikamts derzeit jeden Tag mehr als 50.000 neue Infektionsfälle verzeichnet.

Druck auf Johnson wächst

Damit werden nach Einschätzung von Experten selbst die düstersten Corona-Prognosen übertroffen: Wie aus Dokumenten der wissenschaftlichen Beratergruppe der Regierung für Notfälle (Sage) hervorgeht, könnte die Zahl der Infizierten und Krankenhauseinweisungen sogar die Berechnungen für den schlimmsten Fall übertreffen. Das im Juli ausgearbeitete Worst-Case-Szenario ging von weiteren 85.000 Todesfällen in einer zweiten Infektionswelle im Winter aus.

Schottland, Wales und Nordirland machen ihre eigenen Regeln. Dort gelten bereits weitgehend deutlich schärfere, temporäre Corona-Maßnahmen als bisher in England. Um die Schließungen für betroffene Unternehmen finanziell abzufedern, kündigte Johnson eine Verlängerung des "Furlough"-Programms an, das der deutschen Kurzarbeit ähnelt. Dieses sollte eigentlich zu Ende Oktober auslaufen und durch ein weniger großzügiges Unterstützungsprogramm ersetzt werden.

Quelle: ntv.de, mau/AFP