Panorama

Nachholbedarf auch im "Neuland" Journalisten reden zu wenig mit Lesern

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Mangelnde Kommunikation auf allen Ebenen: Journalisten und ihre Leser.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Vollidioten", "Arschlöcher", "Nazi-Kommunisten": Redakteure müssen bisweilen ein dickes Fell haben, wenn sie sich durch Leserbriefpostfächer und Kommentarspalten klicken. Doch für den rauen Ton sind sie oft indirekt mitverantwortlich, zeigt eine Studie.

Die Kommunikation von Journalisten mit ihren Lesern ist in Deutschland laut einer Studie unterentwickelt. Viele Redakteure nähmen die Kommunikation mit ihrem Publikum nicht an, sagte der bei der Untersuchung federführende Hamburger Medienwissenschaftler Volker Lilienthal bei den Münchner Medientagen. Auch beim Thema Weiterbildung in der Nutzung sozialer Netzwerke für den Journalismus gebe es noch Nachholbedarf. Gleiches gelte für den Umgang mit den sogenannten Trollen, den Störern, die sich in den digitalen Foren mit mehr oder minder konstruktiven Beiträgen zu Wort melden.

Für die Studie "Digitaler Journalismus. Dynamik - Technik - Teilhabe" wurden unter anderem 270 Websites von Medien untersucht und Gespräche mit 15 Chefredakteuren geführt, wie Lilienthal beim sogenannten Contentgipfel der Münchner Medientage sagte.

"Spinner" und Trendsetter

Die Partizipation des Publikums, erläuterte Lilienthal, der die Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur für Praxis des Qualitätsjournalismus innehat, habe gleichwohl den Journalismus schon günstig beeinflusst. So sagten einige Chefredakteure, der Leser sei mit seinen Meinungsäußerungen ein guter Hinweisgeber oder Trendsetter. Andererseits fiel auch der Begriff "Spinner".

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Bei den diesjährigen Münchener Medientagen ging es auch um die Kommunikation mit den Lesern.

(Foto: dpa)

In der Praxis habe der Dialog auf den digitalen Plattformen mit dem Publikum zwar begonnen, aber die Skepsis, ob der Leser wirklich etwas beitragen kann, halte an. Die wenigsten Redakteure, nämlich nur etwa acht Prozent, seien bereit, den sogenannten User-generated Content zu nutzen - das sind vom Leser beigesteuerte Inhalte.

Auf der anschließenden Diskussion unterstrich Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion bei der "Süddeutschen Zeitung", eine gute Zeitung habe schon immer auf den Leser gehört, nicht erst seit Beginn der Digitalisierung. Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur aller digitalen Produkte bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", meinte, der Austausch mit dem Publikum sei wichtig, der Redakteur müsse sein TweetDeck pflegen. "heute-journal"-Moderator Claus Kleber (ZDF) sagte, die Beobachtung sozialer Netzwerke sei vor allem dort wichtig, wo der Sender nicht hinkomme, zum Beispiel in Syrien oder im Nordirak.

Quelle: ntv.de, jve/dpa