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"T1tan" vor Gericht Kahn und Handschuh-Firma streiten sich

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In Deutschland war Kahn der "Titan" im Tor. Die Namensrechte an dem Titel trägt er aber nur indirekt.

(Foto: imago/Martin Hoffmann)

Torwart-Legende Oliver Kahn sieht seine Namensrechte durch einen Handschuh-Hersteller verletzt und geht vor Gericht. Der Rechtsstreit um den Titel "T1tan" mutiert zu einem historischen Rückblick auf die Karriere des Ex-Nationalspielers - mit überraschendem Ausgang.

Ist Oliver Kahn ein Titan oder sogar der einzig wahre Titan? Vor dem Landgericht München I ging es um nicht weniger als die Karriere des früheren Nationaltorhüters und der langjährigen Nummer eins des FC Bayern München. Kahn hatte nämlich einen Hersteller von Torwarthandschuhen verklagt - weil dieser Handschuhe mit dem Markennamen "T1tan" vertreibt, mit der 1 für die Rückennummer der meisten Torhüter als "i". Kahn, der selbst Handschuhe unter dem Namen "Goalplay" verkauft, sieht Namensrechte verletzt, fordert Unterlassung und Schadenersatz.

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Wo Titan draufsteht, sollte Kahn drin stecken, meint der Ex-Fußballprofi.

(Foto: dpa)

Matthias Leibitz aus Herbolzheim in Baden-Württemberg hat "T1tan" gegründet und die Bezeichnung 2016 als europäische Marke eintragen lassen. Mit Kahn habe das damals überhaupt nichts zu tun gehabt, sagte sein Anwalt Ralph Oliver Graef vor der Verhandlung. "Der Gründer ist Eintracht-Frankfurt-Fan und findet Oliver Kahn gar nicht gut." Im Übrigen sei Kahn seit Jahren "Fußball-Rentner", habe "Titan" selbst nie als Marke angemeldet und in einem Interview gesagt: "Ich will kein Titan mehr sein."

Als Marke angemeldet ist beim Deutschen Patent- und Markenamt der Name Oliver Kahn - und zwar für so ziemlich alles von Schädlingsbekämpfungspräparaten bis zu künstlichen Weihnachtsbäumen. Graef sagt, in seiner aktiven Zeit sei Kahn derart umstritten gewesen, dass es gar nicht möglich sei, eine positiv besetzte Marke nach ihm zu benennen. "Es hat keinen Sinn, eine Marke zu benutzen, die von vielen Leuten gehasst wird." Und wenn er auch während seiner Karriere mehrfach als ein Torwart-Titan beschrieben worden sei, "der" eine Titan sei er bestimmt nicht.

Und ohne diese Voraussetzung könne sein Mandant auch keine Namensrechte verletzt haben. "Dieter Bohlen ist der Pop-Titan und selbst im Fußball und unter den Torhütern gibt es genug Titanen: Neuer, Adler, Buffon, Sepp Maier." Die Werbung für "T1tan" übernimmt derzeit René Adler (Mainz 05). "Es gibt viele Leute, die denken bei Titan an Bohlen, an das Göttergeschlecht oder an eine Legierung", betont Graef. "Oliver Kahn als 'Titan' kennt doch außerhalb der deutschen Grenzen niemand."

Golfball-Wurf wird zum Titan-Moment

Und außerdem habe Kahn mit der Nationalmannschaft doch nie etwas gewonnen - und zum Ende seiner Karriere auch nicht mehr gut gehalten. Er spricht von "Ego" und "Selbstüberhöhung". Zum Beweis sollen dem Gericht auch Zeitungsschlagzeilen vorgelegt werden wie "Vom Titan zum Pannen-Olli" und "Titan oder Titanic".

Es ist eine Argumentation, über die sich Georg Mooshofer vom relativ frisch gegründeten Verband Deutscher Fußball-Historiker gewaltig ärgert. "Er war einfach der Titan", sagt er. "Ganz eindeutig - durch seine Spielweise, durch diese Ruppigkeit." Dazu muss man allerdings wissen, dass Mooshofer nicht nur Bayern-Fan, sondern ganz besonders auch Kahn-Fan ist. Dazu ist er Gründungsmitglied der Kurt-Landauer-Stiftung, die Ende 2017 von den Bayern-Ultras ins Leben gerufen wurde. "Das Champions-League-Finale 2001, das hat er gewonnen", sagt er. "Und auch wenn wir das WM-Finale 2002 verloren haben - dass wir überhaupt so weit gekommen sind, das lag einzig und allein an Kahn."

Und dann erinnert er an den "Golfball-Moment" von Freiburg im Jahr 2000. Damals erwischte ein Golfball von der Tribüne aus Kahn kurz vor Spielschluss an der Schläfe. "Oliver Kahn am Boden. Der schmeißt sich nicht freiwillig hin. Kahn ist getroffen. Blinde Wut treibt ihn wieder hoch. Blut, eine klaffende Wunde an der linken Stirn", kommentierte Werner Hansch damals. "Aber Kahn kommt zurück. Der weicht keinen Millimeter vor der Gewalt. Er will es ihnen zeigen. Ich bin noch da, ich gehe keinen Schritt zurück." Bayern gewinnt 2:1. Mooshofer sagt: "Das ist ein Titan-Moment gewesen."

Außergerichtliche Einigung erwartet

Vor dem Landgericht wird die Verhandlung kurzerhand unterbrochen. Auf dem Gang verhandeln die Anwältinnen Kahns mit Anwalt Graef. Beide Seiten wollen sich gütlich einigen, lassen sie wissen. Aber sie brauchen Zeit. Das Gericht will sich deswegen Anfang März mit der Sache noch mal öffentlich befassen.

Kahn ist nicht der erste Fußballer, der zur Verteidigung seines Spitznamens vor Gericht zieht. Im Jahr 2010 urteilte ebenfalls das Landgericht München in einem Rechtsstreit zwischen Bastian Schweinsteiger und einem Wursthersteller und entschied: Eine Bratwurst darf nicht "Schweini" heißen. Da sei der Fall allerdings anders gelagert gewesen, sagt Anwalt Graef, dieser Name sei einzigartig und nicht beschreibend.

Quelle: n-tv.de, Von Britta Schultejans, dpa

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