Panorama

Rückkehr von Protesten begleitet Kardinal Woelki bietet Papst Amtsverzicht an

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"Davonzulaufen, ist doch keine Lösung", hatte Kardinal Woelki immer wieder betont. Jetzt gab es bei ihm anscheinend einen Sinneswandel.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach einer mehrmonatigen Auszeit nimmt der umstrittene Kardinal Woelki seinen Dienst im Erzbistum Köln wieder auf. Sein Amtsantritt wird von Protesten begleitet. In einer Erklärung teilt der Erzbischof jetzt mit, dass er dem Papst seinen Rücktritt angeboten habe.

Der umstrittene Kardinal Rainer Maria Woelki hat dem Papst während seiner geistlichen Auszeit seinen Amtsverzicht als Kölner Erzbischof angeboten. Papst Franziskus werde darüber zu gegebener Zeit entscheiden, erklärte das Erzbistum. Zugleich ordnete der Papst demnach an, dass Woelki seinen Dienst in Köln wie geplant wieder aufnimmt, womit der Erzbischof sein Amt zunächst weiter ausübt.

"Immer und immer wieder habe ich in den vergangenen Monaten - betend und arbeitend - mein Handeln und die Situation in unserem Erzbistum reflektiert und meditiert", erklärte Woelki in einem zeitgleich veröffentlichten Brief an die Gläubigen zum Aschermittwoch. Bezüglich seines angebotenen Amtsverzichts sei der Papst frei, zu entscheiden, "was dem Wohl der Kirche von Köln am meisten dient". Die Gläubigen bat Woelki in der Zwischenzeit um Geduld und darum, ihm "noch eine Chance zu geben".

Nach Kritik an seiner Kommunikation bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals im größten deutschen Bistum hatte sich Woelki im September die Auszeit genommen, obwohl er in einem juristischen Gutachten persönlich entlastet worden war. Während seiner Abwesenheit wurde die Hoffnung laut, dass der Kardinal womöglich nicht zurückkehrt und sich damit die Situation entspannt.

Gläubige fordern seit langem Woelkis Rücktritt

2020 hatte Woelki eine Vertrauenskrise ausgelöst, als er sich entschied, ein Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs nicht zu veröffentlichen. Er führte rechtliche Gründe an. Danach verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Woelki und den Gremien des Erzbistums immer weiter. Dies hatte nicht nur mit Woelkis sehr konservativer Grundeinstellung zu tun - den derzeitigen Reformprozess in der katholischen Kirche, den Synodalen Weg, lehnt er ab - sondern vor allem auch mit seiner schroffen und misstrauischen Art.

Mit Alleingängen in wichtigen Fragen brachte Woelki nicht nur reformorientierte Bischöfe, Dechanten (Regionalchefs) und Pfarrer gegen sich auf, sondern auch eher konservativ eingestellte. Vielfach heißt es, dass mit ihm einfach keine Zusammenarbeit möglich sei. Alle Gremien des Erzbistums haben mehr oder weniger deutlich signalisiert, dass sie sich eine Zukunft mit Woelki nicht mehr vorstellen können.

Noch eindeutiger sieht das Bild bei den Gläubigen aus. Die Zahl der Kirchenaustritte in Köln ist in die Höhe geschnellt. Einer Forsa-Umfrage im Auftrag des "Kölner Stadt-Anzeigers" zufolge wollen 92 Prozent der Katholiken im Erzbistum, dass Woelki zurücktritt. 82 Prozent meinen, dass der Papst ihn absetzen müsste.

Quelle: ntv.de, hny/AFP/dpa

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