Panorama

Nach fünfmonatiger Auszeit Kardinal Woelki übernimmt wieder

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Mit seiner Entscheidung, ein selbst in Auftrag gegebenes Missbrauchsgutachten lieber doch nicht zu veröffentlichen, sorgte er 2020 für einen Riesenskandal: Kardinal Rainer Maria Woelki.

(Foto: picture alliance / Rolf Vennenbernd/dpa)

Im September 2021 hatte Papst Franziskus ihn in eine fünfmonatige Auszeit geschickt, nun kehrt er wieder zurück an die Spitze des Kölner Erzbistums: Kardinal Woelki. Sein Vertreter sagt vor der Hirtenstabübergabe: "Das spektakuläre Wunder ist ausgeblieben. Die Probleme sind nicht gelöst."

Kardinal Rainer Maria Woelki wird einer internen Mitteilung zufolge am Mittwoch wieder in sein Amt als Erzbischof von Köln zurückkehren. Er werde dann nach dem Ende seiner fünfmonatigen Auszeit wieder die Leitung übernehmen, kündigt Generalvikar (Verwaltungschef) Markus Hofmann in einem Schreiben an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des größten deutschen Bistums an.

"Mir ist bewusst, dass viele von Ihnen die aktuelle Situation mit großer Sorge betrachten und eine konkrete Perspektive vermissen, wie es gut weitergehen kann", heißt es in der Information, die der dpa vorliegt. Hofmann, der als treuer Gefolgsmann Woelkis gilt, schreibt weiter, er sei aber zuversichtlich, dass "neues Vertrauen wachsen" könne.

Die interne Mitteilung deutet stark darauf hin, dass Woelki tatsächlich trotz aller Proteste und Widerstände zurück ins Amt strebt. Dennoch gibt es weiterhin auch Zweifel daran, dass dem wirklich so ist. Mit Spannung wird deshalb eine für Mittwoch von Woelki angekündigte Pressemitteilung erwartet.

Laienvertreter befürchten Austrittslawine

Der Vorsitzende des Diözesanrats - der Vertretung der Laien -, Tim Kurzbach, kritisiert, wenn Woelki einfach so wiederkommen sollte, werde dies "eine Kernschmelze unseres Erzbistums" nach sich ziehen. "Es wäre doch ein echtes schwerwiegendes Armutszeugnis, wenn wenige Erzkonservative andere aus der Kirche vertreiben wollten, weil sie deren Argumenten nicht gewachsen sind", sagt Kurzbach, der SPD-Politiker und Oberbürgermeister von Solingen ist.

Papst Franziskus hatte Woelki im September in eine fünfmonatige Auszeit geschickt, nachdem er ihm "große Fehler" vorgeworfen hatte. Woelki hatte 2020 eine Vertrauenskrise ausgelöst, als er sich entschied, ein Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs nicht zu veröffentlichen. Er führte rechtliche Gründe dafür an. Danach verschlechterte sich das Verhältnis zwischen dem Kardinal und den Gremien des Erzbistums immer weiter.

"Zeit des Aufatmens"

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Woelkis Vertreter während seiner Auszeit, Weihbischof Rolf Steinhäuser, verabschiedete sich am Dienstag mit deutlichen Worten: "Das spektakuläre Wunder ist ausgeblieben", zog er in einem Grußwort Bilanz. "Wenn man den Umfragen folgt, scheinen viele Gräben noch tiefer und unüberbrückbarer als zuvor. Die Probleme sind nicht gelöst." Dennoch sei er dankbar für die vergangenen Monate: "Es gab für viele eine Zeit des Aufatmens, Blockaden wurden aufgehoben, Gesprächsfäden wieder neu geknüpft."

Steinhäuser hatte für seine Amtsführung viel Lob bekommen. Hervorgehoben wurden insbesondere seine Offenheit und sein Bemühen um Transparenz und Neuanfang. Anders als unter Woelki habe es keine Atmosphäre der Angst und der Einschüchterung mehr gegeben, hieß es aus Bistumskreisen.

Quelle: ntv.de, mst/dpa

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