Panorama

"Nazi-Schläger laufen frei rum" Keine Haftgründe bei Erfurt-Verdächtigen

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Der Vorfall zeigt laut Innenminister Maier eine steigende Gewaltbereitschaft in rechtsextremistischen Strukturen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei einem "fremdenfeindlichen Übergriff" werden drei ausländische Männer in Erfurt verletzt. Die Polizei lässt alle Tatverdächtigen weniger später wieder laufen. Obwohl die Ermittlungen gegen die zwölf Deutschen weitergehen, zeigt sich Thüringens Innenminister fassungslos und kritisiert die Justiz.

Nach dem fremdenfeindlichen Angriff in Erfurt auf drei Männer aus Guinea sind alle zwölf mutmaßlichen Täter wieder freigelassen worden. Das teilte die Staatsanwaltschaft Erfurt mit. Es lägen keine Haftgründe vor - das seien unter anderem Flucht- oder Verdunklungsgefahr. Die Ermittlungen gegen die Verdächtigen liefen weiter.

Auf die Freilassung reagierte Thüringens Innenminister Georg Maier mit Entsetzen. "Die Nazi-Schläger von Erfurt laufen alle wieder frei rum", schrieb er auf Twitter. "Ich weiß, dass es mir nicht zusteht, die Justiz zu kritisieren. Aber für die Opfer und die Menschen am Herrenberg ist das eine Katastrophe."

Die drei Männer waren in der Nacht zum Samstag Opfer eines rassistisch motivierten Angriffs geworden. Zwei von ihren wurden verletzt, darunter ein 21-Jähriger schwer. Sein Zustand soll zeitweise kritisch gewesen sein. Die Polizei sprach von einem "fremdenfeindlichen Übergriff". Maier schrieb auf Twitter: "Ich bin schockiert! Erneut rechtsextreme Gewalt in Erfurt. Bin in Gedanken bei den Opfern." Der Vorfall zeige eine steigende Gewaltbereitschaft in rechtsextremistischen Strukturen. Die Tat geschah vor einem bekannten Treffpunkt der rechten Szene.

Herrenberg heißt das Plattenbaugebiet im Erfurter Südosten, wo sich die Tat nachts gegen 3.00 Uhr vor dem Treffpunkt der rechten Szene ereignet hatte. Die Angreifer hielten sich laut Polizei davor auf. Die "dreiköpfige Gruppe ausländischer Mitbürger" sei von zehn bis zwölf Deutschen verbal und danach tätlich angegriffen worden, erklärte die Polizei. Die beiden Verletzten wurden im Krankenhaus versorgt.

"Zweite Neonazi-Übergriff innerhalb weniger Wochen"

Der Schwerverletzte soll eine Kopfverletzung erlitten haben. In die Ermittlungen wurde unter anderem das Landeskriminalamt eingeschaltet. Die Polizei forderte Zeugen auf, sich zu melden. In Thüringer Sicherheitskreisen wird davon ausgegangen, dass sich in dem Szenetreff, vor dem der Angriff erfolgte, auch Mitglieder oder Sympathisanten der rechtsextremistischen Kleinstpartei Dritter Weg regelmäßig aufhalten. Die Polizei äußerte sich dazu nicht. Die Linke-Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss erklärte, es sei bereits der zweite massive Neonazi-Übergriff in Erfurt innerhalb weniger Wochen gewesen. König-Preuss, die Sprecherin für Antifaschismus und Antirassismus der Fraktion ist, nannte ein Verbotsverfahren gegen den Dritten Weg überfällig.

In Thüringens Landeshauptstadt protestierten am Samstag Hunderte Menschen gegen Rechtsextremismus. Polizei und Veranstalter sprachen von etwa 400 Teilnehmern. Hintergrund war ein Vorfall am vorletzten Juli-Wochenende vor der Staatskanzlei, bei dem eine Gruppe Jugendlicher angegriffen und verletzt wurde. Einige der Angreifer haben nach Angaben der Ermittlungsbehörden einen rechtsradikalen Hintergrund. Die Ermittlungen dazu laufen ebenfalls noch.

Quelle: ntv.de, mba/dpa