Panorama

Unicef warnt vor Folgen Kindern droht dauerhafter Pandemie-Schaden

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Auch wenn die Armut in Deutschland nicht so schlimm ist wie in anderen Teilen der Welt: Die Pandemie verschlechtert die Situation der Kinder auch in Deutschland.

(Foto: imago images/CHROMORANGE)

Ein Jahr dauert die Corona-Pandemie schon an. Große Verlierer sind Kinder und Jugendliche. Unicef warnt vor dauerhaften Folgen. Bildung fehlt, Armut könnte Kinderehen fördern, Depressionen treffen junge Menschen schwer. Sie müssen vor dem Status als "verlorene Generation" geschützt werden, so der Appell.

Am Jahrestag der Einstufung der Coronavirus-Ausbreitung als Pandemie hat das UN-Kinderhilfswerk Unicef vor langfristigen Folgen für Kinder und Jugendliche gewarnt. "Ein Jahr nach der Corona-Pandemie sind die Fortschritte in nahezu allen wichtigen Bereichen der Kindheit rückläufig", sagte Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. Die Zahl der Kinder, die hungern, isoliert sind, missbraucht werden, in Armut leben oder in Zwangsehen verheiratet werden, sei gestiegen.

Gleichzeitig habe sich ihr Zugang zu Bildung, sozialer Teilhabe und grundlegenden Dienstleistungen wie Gesundheit, Ernährung und Schutz verschlechtert. "Die Anzeichen dafür, dass Kinder in den kommenden Jahren die Narben der Pandemie tragen werden, sind unverkennbar", sagte Fore.

Unicef warnt, dass infolge der Auswirkungen der Pandemie Kinderarmut in Entwicklungsländern voraussichtlich um rund 15 Prozent zunehmen werde. Hochrechnungen zufolge könnten dort dann 140 Millionen Kinder zusätzlich in Haushalten unterhalb der Armutsgrenze leben.

Depression und Isolation

Für mehr als 168 Millionen Kinder weltweit sind laut Unicef seit fast einem Jahr die Schulen aufgrund von Lockdowns vollständig oder teilweise geschlossen. Mindestens eins von drei Schulkindern habe während der Schulschließungen nicht am Distanzunterricht teilnehmen können. Mindestens eins von sieben Kindern habe den größten Teil des vergangenen Jahres zu Hause verbracht, was zu Angstgefühlen, Depressionen und Isolation geführt habe. Zeitgleich seien bis November 2020 mehr als zwei Drittel der Dienste im Bereich der psychischen Gesundheit für Kinder und Jugendliche unterbrochen gewesen.

Die verschlechterte wirtschaftliche Situation könnte bis zum Ende des Jahrzehnts zu zehn Millionen zusätzlichen Kinderehen führen. Dies gefährde die jahrelangen Fortschritte bei der Bekämpfung dieser Praxis.

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Bis November 2020 könnten im zurückliegenden Jahr zudem zusätzlich sechs bis sieben Millionen Kinder unter fünf Jahren an Auszehrung oder akuter Mangelernährung gelitten haben - eine Zunahme von 14 Prozent. Aufgrund der Pandemie seien zudem in 26 Ländern Impfkampagnen gegen Masern gestoppt worden.

"Bei allen Maßnahmen zum Wiederaufbau unserer Welt nach Covid-19 müssen Kinder im Zentrum stehen", sagte Fore. Dies bedeute, Familien sozialen Schutz einschließlich Geldtransfers zu gewähren sowie den Zugang zu kritischen Diensten für Kinder zu garantieren. "Nur dann können wir diese Generation davor schützen, eine verlorene Generation zu werden."

Quelle: ntv.de, ara/AFP

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