Panorama

Roman mit Transgender-Thema Kirchliche Buchpreis-Absage erzürnt Autoren

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In einem offenen Brief kritisieren 222 Autoren und Illustratoren die Entscheidung.

(Foto: picture alliance / Wolfgang Minich)

Die Deutsche Bischofskonferenz lehnt eine Empfehlung der Jury für den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis ab, der Roman "Papierklavier" wird daraufhin nicht ausgezeichnet. Zahlreiche Autoren kritisieren "diese intentionale Ausgrenzung".

Mit einem offenen Brief haben 222 deutsche Autoren und Illustratoren die Absage des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises kritisiert. Das Schreiben richtet sich an den Ständigen Rat der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung alljährlich vergibt. Zuvor war bekannt geworden, dass die DBK den von einer Jury vorgeschlagenen Roman "Papierklavier" nicht auszeichnen wird. Auch auf der Liste empfehlenswerter Titel taucht das Buch nicht auf.

Ein DBK-Sprecher hatte die Entscheidung vom 6. April mit den Worten begründet, der Ständige Rat sei der Auffassung gewesen, "dass das vorgeschlagene Preisbuch nicht den Kriterien der Statuten des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises entspricht". Weiterhin habe die Jury kein anderes Preisbuch aus der Liste der Empfehlungsbücher vorgeschlagen. Somit wird der Preis in diesem Jahr nicht vergeben.

Das Werk der österreichischen Autorin Elisabeth Steinkellner, das wie ein Tagebuch gestaltet ist, handelt von dem Mädchen Maia. Die Geschichte erzählt auch von einer mit der 16-Jährigen befreundeten Person, die transgender ist und sich somit nicht dem ihr bei Geburt zugeschriebenen Geschlecht zugehörig fühlt. Maia selbst lebt in einer Patchwork-Familie: Sie und ihre Geschwister stammen von unterschiedlichen Vätern. Maias Leben ist geprägt von Schule, Pubertät, Teilzeitjob und ihrer Rolle als Ersatzmutter.

Brief beklagt "intentionale Ausgrenzung"

In dem offenen Brief der Autoren und Illustratoren heißt es, man könne die Begründung der DBK nicht nachvollziehen. Demnach behandle Steinkellners Buch "wichtige Themen für Jugendliche", etwa "Familie und Freundschaft, Empathie und Zusammenhalt, Armut und Tod, Erwachsenwerden und Sexualität und die Auseinandersetzung mit Schönheitsnormen und Geschlechterfragen". Und weiter: "Diese intentionale Ausgrenzung wollen wir unterzeichnenden Autor*innen und Illustrator*innen nicht schweigend hinnehmen". Unter den Zeichnenden sind die Autoren Kirsten Boie und Paul Maar.

In einer daraufhin veröffentlichten Mitteilung äußert sich die DBK erneut zu ihrer Entscheidung. So bündle der Roman zwar "eindrucksvoll wie in einem Brennglas die heutige Lebenswirklichkeit von Jugendlichen". Allerdings habe "die Auffassung bei den Bischöfen überwogen, dass das Buch nicht hinreichend den Kriterien des Preises entspricht".

Mit Bezug auf den Inhalt des Romans und Steinkellner heißt es: "Weder das Thema Transgender noch die Autorin - die bereits mehrfach auf der Empfehlungsliste in den zurückliegenden Jahren vertreten war - waren hierfür entscheidend".

Quelle: ntv.de, mbe

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