Panorama

Gründung vor 70 Jahren Knobloch würdigt Zentralrat der Juden

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Die jüdischen Gemeinden in Deutschland zählten 2019 knapp 95.000 Mitglieder.

(Foto: picture alliance/dpa)

Er gibt der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland eine Stimme: Der Zentralrat der Juden begeht an diesem Sonntag seinen 70. Jahrestag. Fünf Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur wurde er gegründet. Mit einem so langen Fortbestand habe damals niemand gerechnet, sagt die ehemalige Präsidentin Charlotte Knobloch.

Die Gründung des Zentralrats der Juden in Deutschland liegt an diesem Sonntag 70 Jahre zurück. Im Jahr 1950 sei es noch "unvorstellbar" erschienen, "dass es noch 70 Jahre später einmal Gratulationen zum Jubiläum" geben würde, schreibt die ehemalige Zentralrats-Präsidentin Charlotte Knobloch in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag". Fünf Jahre nach dem Ende des Holocaust habe niemand "mit einer solchen Lebensdauer" gerechnet.

Der frühe Zentralrat habe vor allem das Ziel gehabt, das tägliche Überleben zu erleichtern "und ansonsten das jüdische Erbe in Deutschland geordnet" abzuwickeln, schrieb Knobloch. Es sei "ein großes Kompliment für unser Land, dass all das heute unendlich weit weg erscheint". Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland sei in den vergangenen sieben Jahrzehnten "größer, vielfältiger und sichtbarer" als je zuvor nach 1945 geworden.

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Die gebürtige Münchnerin Charlotte Knobloch war von 2006 bis 2010 Zentralrats-Präsidentin.

(Foto: dpa)

Zugleich warnte Knobloch vor dem zunehmenden Antisemitismus in Deutschland. Sie zitierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der in seiner Gratulation erklärt habe, dass die Stimme des Zentralrats in Zeiten von wachsendem Judenhass "gebraucht und gehört" werde.

Der religionspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Benjamin Strasser, würdigte den Zentralrat als "die Stimme der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und damit wichtiger Impulsgeber der öffentlichen Debatte". Es sei "beschämend", dass der Zentralrat der Juden seit Jahren wieder vermehrt vor Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft warnen müsse.

Zum Zeitpunkt der Gründung am 19. Juli 1950 in Frankfurt am Main lebten noch rund 15.000 Juden in Deutschland. Zu den Überlebenden des Holocaust kamen Juden, die aus ihrem Exil nach Deutschland zurückkehrten.

Quelle: ntv.de, joh/AFP