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Antje Grothus engagiert sich in der Bürgerinitiative Buirer für Buir.
Antje Grothus engagiert sich in der Bürgerinitiative Buirer für Buir.(Foto: imago/Jürgen Heinrich)
Mittwoch, 17. Oktober 2018

Protestler ziehen vor Privathaus: Kohlekritikerin fühlt sich von Demo bedroht

Sie skandieren "Hambi weg" und "Grothus raus". Rund 100 Teilnehmer einer Gewerkschafts-Demo ziehen vor das Privathaus von Antje Grothus. Sie vertritt Betroffene des Braunkohle-Tagebaus in der Kohlekommission. Die Polizei duldet das Treiben.

Die Kohlekritikerin Antje Grothus hat sich durch eine Demonstration von Gewerkschaftsmitgliedern der IG BCE vor ihrem Privathaus bedroht gefühlt. Die aggressiv wirkenden rund 100 Teilnehmer hätten mehr als zehn Minuten lang mit Trillerpfeifen und mit Plastikflaschen Lärm gemacht, sagte Grothus, die Mitglied der Kohlekommission ist.

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Sie sitzt für die Bürgerinitiative Buirer für Buir in dem Gremium und kämpft für den Erhalt des Hambacher Forstes. In der von der Bundesregierung berufenen Kommission, die einen Fahrplan für einen Kohleausstieg erarbeitet, vertritt Grothus die Tagebau-Betroffenen. Die Demonstranten skandierten demnach "Hambi weg" und "Grothus raus". Erst als einer aus der Gruppe gegen ihr Küchenfenster geschlagen habe, habe die Polizei eingegriffen, berichtete Grothus.

IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis bat laut "Kölner Stadt-Anzeiger" um Entschuldigung. Es sei "nachvollziehbar, dass diese Demonstration vor ihrem Haus als Einschüchterungsversuch verstanden wird", schrieb Vassiliadis demnach an Grothus. Daher wolle er sich persönlich entschuldigen: "Solche Aktionen entsprechen nicht unserem Verständnis von politischen Auseinandersetzungen in der Demokratie." Auch bei Twitter distanzierte sich die IG BCE von der Art und Weise der Aktion.

Der Vorstandsvorsitzende von RWE berichtete ebenfalls, dass er von Aktivisten bedroht werde. Grund dafür sei der Konflikt um den Hambacher Forst, den sein Unternehmen zur Ausweitung des benachbarten Tagebaus abbaggern möchte. "Ich bekomme E-Mails und Briefe, die würden Sie erschrecken", sagte Rolf Martin Schmitz der Wochenzeitung "Die Zeit".

"Wir wurden auf Twitter mit Nazis verglichen, da ist jegliches Maß verloren gegangen", so Schmitz weiter. In den Hambacher Forst ist Schmitz in den vergangenen Wochen nicht mehr gegangen. "Unsere Sicherheitskräfte waren der Meinung, es ist zu gefährlich und bringt nichts", so Schmitz. Aktivisten, die dort Baumhäuser bauten, nennt Schmitz "Straftäter". Sie hätten allein in den vergangenen zwei Jahren 34 seiner Mitarbeiter verletzt.

Quelle: n-tv.de