Panorama

Augenzeugen aus London berichten "Kommen nicht raus, der Rauch ist zu stark"

Das brennende Hochhaus in London wird für Hunderte Menschen zur Falle. Sie sind in ihren Wohnungen eingesperrt. Augenzeugen sehen hilflos dabei zu, wie das Feuer sich ausbreitet. Wegen der starken Rauchentwicklung gibt es wohl kaum Fluchtmöglichkeiten.

Die Feuerwehr von London kämpft seit den frühen Morgenstunden gegen ein Feuer im Herzen der Metropole. Der 24-stöckige Grenfell Tower mit 120 Apartments brennt seit dem frühen Morgen lichterloh, die Löscharbeiten gestalten sich als äußerst schwierig.

Ein Augenzeuge sagte gegenüber der BBC, er sei zu dem brennenden Haus gelangt, als die Feuerwehr eingetroffen sei. Er sei auf der Suche nach Feuertreppen ums Gebäude gerannt und habe sich schließlich Zutritt zum zweiten Stockwerk verschafft. "Als ich in den Flur kam, sah ich, dass überall extrem viel Rauch war", so der Zeuge Jody Martin. Aufgrund der starken Rauchentwicklung wäre er überrascht, wenn irgendjemand das Gebäude ohne Hilfe verlassen könne.

"Ich sah eine Person aus dem Fenster fallen, eine andere Frau hielt ihr Baby aus dem Fenster … Überall schrien Menschen. Ich brüllte, die Menschen sollten aus ihren Apartments kommen und herunterlaufen, doch sie sagten: 'Wir können unsere Wohnungen nicht verlassen, der Rauch auf den Fluren ist zu heftig'", sagte er laut BBC.

Der englische Schriftsteller und Schauspieler Tim Downie, der nur 600 Meter vom Grenfell Tower entfernt lebt, äußerte die Sorge, das Gebäude würde einstürzen. "Es ist schrecklich. Die Flammen haben sich durch das gesamte Haus gefressen. Es ist vorbei, es ist nur eine Frage der Zeit, bis es zusammenkracht."

George Clarke, Moderator beim TV-Sender Channel 4, sagte Radio 5: "Ich bin eingedeckt in Asche, so schlimm ist es. Ich bin hundert Meter entfernt und von Kopf bis Fuß voll mit Asche." Es zerreiße ihm das Herz: Er habe Menschen gesehen, die aus den oberen Stockwerken mit ihren Handys und Taschenlampen Hilferufe gesendet hätten – ihnen sei der Fluchtweg abgeschnitten.

Anwohner haben laut dem "Evening Standard" bereits im vergangenen Jahr gewarnt, dass das Gebäude, in dem es circa 120 Wohnungen gibt und das Berichten zufolge über einen einzelnen Eingang verfügt, ein hohes Risiko bei einem Brand darstelle. Die Greenfell Action Group äußerte ihre Bedenken demnach in einem Blogeintrag, als sich im vergangenen Jahr Müllberge vor dem Haus türmten. Sie wollten gar nicht daran denken, was passieren würde, sollte im öffentlichen Bereich vor dem Haus in der Latimer Road ein Feuer ausbrechen, schrieben sie.

Quelle: ntv.de, jgu