Panorama

Mehrere Verletzte in Venedig Kreuzfahrtschiff rammt Touristenboot

Die Einfahrten von Kreuzfahrtschiffen in Venedig sind umstritten. Es gebe zu wenig Platz in der Lagunenstadt, betonen Kritiker immer wieder. Nun kommt es zu einem Zwischenfall mit der gigantischen "MSC Opera", bei dem mehrere Menschen verletzt werden.

Ein riesiges Kreuzfahrtschiff hat in der italienischen Lagunenstadt Venedig eine Anlegestelle gerammt und ist mit einem Touristenboot zusammengestoßen. Nach Medienberichten wurden mehrere Menschen verletzt. Das Unglück ereignete sich am Sonntagmorgen im zentralen Kanal von Giudecca an der Haltestelle San Basilio, wie die Feuerwehr mitteilte.

Der Kreuzfahrt-Gigant "MSC Opera" sei gegen das geparkte Ausflugsschiff gestoßen, berichtete die Zeitung "La Repubblica". Einige Passagiere des kleineren Schiffes seien aus Angst ins Wasser gesprungen, so die Zeitung "Nuova Venezia" unter Berufung auf Augenzeugen. Mindestens vier Insassen wurden leicht verletzt. Die Situation sei unter Kontrolle, twitterte die italienische Feuerwehr.

Der Kapitän des Kreuzfahrtschiffs habe einen Motorschaden gemeldet, sagte der Leiter des Schlepperdienstes, der die "MSC Opera" bis zu ihrem Liegeplatz begleiten sollte, italienischen Medien. Nach seinen Angaben blockierte der Antrieb im Schubbefehl und die Geschwindigkeit nahm wieder zu. Die beiden Begleit-Schlepper hätten noch versucht, die Fahrt zu bremsen, doch sei eine ihrer Ketten unter dem Druck gerissen.

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Auf einem Video ist zu sehen, wie das Kreuzfahrtschiff mit lautem Sirenengeheul Richtung Anlegestelle fährt und Menschen an Land in Panik davonlaufen. Bei den Verletzten handelt es sich um vier Touristen aus Australien, Neuseeland und den USA im Alter zwischen 67 und 72 Jahren. Sie zogen sich laut Medienberichten ihre Verletzungen zu, als sie von dem Ausflugsschiff flüchteten. An Bord des Ausflugsschiffs sollen rund 130 Menschen gewesen sein. Auf der "MSC Opera" haben mehr als 3500 Menschen Platz.

"Alle raus aus dem Boot. Lauft!"

Die US-Amerikanerin Lynn Balzer, die beim Unfall leicht verletzt wurde, erzählte in einem Video der Zeitung "Corriere del Veneto", dass sie mit ihrem Mann beim Kaffee auf dem Oberdeck des kleinen Boots saß und auf das Taxi zum Flughafen wartete, als plötzlich das riesige Schiff auftauchte. "Es kam näher und näher. Wir dachten: Klar, es wird noch an uns vorbeifahren. Das tat es aber nicht." Ein Besatzungsmitglied habe plötzlich gerufen: "Alle raus aus dem Boot. Lauft!" Aber plötzlich seien "der Landungssteg und alles kaputt gegangen", so die Frau. Ihre Tasche sei ins Wasser gefallen, sie habe Reisepass, Juwelen und Bargeld verloren.

Seit Jahren wird über die Schiffskolosse in der Unesco-Welterbestadt gestritten, die von Millionen Touristen besucht wird. Kritiker wollen die großen Kreuzfahrtschiffe komplett aus der Lagunenstadt verbannen. Bisher fahren sie im Kanal von Giudecca in Sichtweite von Sehenswürdigkeiten wie dem Markusplatz. Der Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, erklärte, das Unglück sei "der x-te" Beweis, dass in dem Kanal keine Kreuzfahrtriesen mehr fahren könnten. Auch Italiens Verkehrsminister Danilo Toninelli erklärte, die Stadt müsse besser geschützt werden.

Geplant ist, dass die besonders großen Kreuzfahrtschiffe eine weniger spektakuläre Route um die Stadt fahren und in der Industriegegend Marghera anlegen. Über dieses Projekt wird allerdings auch seit Jahren debattiert. Die Unesco hat Venedig bereits gewarnt, dass die Riesenschiffe das Welterbe gefährdeten. Umweltschützer mahnen wegen Risiken für das besondere Ökosystem der Lagune. Unternehmer sehen dagegen ihr Geschäft in Gefahr.

Quelle: ntv.de, jaz/aeh/dpa/AFP