Panorama

Kanzleramt für Lockdown bis März Länder melden viele Ausbrüche mit Mutationen

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Angst vor Mutationen: Von Öffnung ist im Entwurf des Kanzleramts für den morgigen Corona-Gipfel keine Rede mehr.

(Foto: picture alliance/dpa)

In mehreren Bundesländern gehen Corona-Mutationen um: Berliner Kliniken melden 100 Ansteckungen mit der britischen Variation, Thüringen 59 und Mecklenburg-Vorpommern 58. Auch die Nordseeinsel Norderney ist betroffen. Für den Corona-Gipfel am Mittwoch stehen alle Zeichen auf Verlängerung bis März.

Einen Tag vor dem nächsten Lockdown-Gipfel zwischen Kanzleramt und Ministerpräsidenten häufen sich in Deutschland Nachweise der britischen Corona-Mutation. So wurde die Variante bei fast hundert Patienten in den landeseigenen Berliner Kliniken nachgewiesen. In den Vivantes-Kliniken seien 82 Fälle registriert worden und in der Berliner Charité 15 Fälle, berichtete der "Tagesspiegel". Hinzu kämen weitere Fälle der südafrikanischen Variante. Vivantes-Vorstand Johannes Danckert sieht Hinweise, dass sich die britische Variante durchsetzen wird, da diese deutlich ansteckender sei. "Ähnlich wie bei Masern reicht es vermutlich, wenn man sich nur wenige Augenblicke in der Nähe eines Infizierten aufhält", sagt er der Zeitung. Käme es nun zu Lockerungen "schlüge die britische Virus-Sorte womöglich voll durch", warnte er.

Erstmals wurde die britische Variante auch auf der ostfriesischen Insel Norderney nachgewiesen. Ein entsprechender Befund sei dem Gesundheitsamt des Landkreises Aurich am Dienstag bestätigt worden, teilte die Kreisverwaltung mit. Demnach war die infektiösere Mutation Ende Januar bei einem Mann festgestellt worden - er ist inzwischen gestorben. Weitere Hinweise auf die Corona-Variante gebe es aktuell nicht, hieß es.

In Thüringen sind aktuell 79 Fälle mit Mutationen des Coronavirus nachgewiesen worden. In 52 Fällen handelt es sich um die britische Mutation, in zwei Fällen um die Variante aus Südafrika, wie die Staatskanzlei mitteilte. Bei den restlichen Fällen war demnach zunächst nicht klar, welche Variante vorliegt. In Mecklenburg-Vorpommern ist die Mutation B.1.1.7 in bislang 58 Fällen nachgewiesen worden. Das teilte das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) mit, ohne weitere Details zu nennen.

Vor Corona-Gipfel keine Öffnungsperspektive

Mit Blick auf verstärkt grassierende Mutationen zeichnet sich eine Verlängerung des Lockdown bis in den März hinein ab. Dies geht aus einer Beschlussvorlage des Kanzleramts für die Bund-Länder-Beratungen am Mittwoch hervor, die ntv.de vorliegt. Ein Datum zum Ende der Auflagen enthält das Papier nicht. "Wir würden nichts gewinnen, wenn wir jetzt vorzeitig aus dem Lockdown rausgehen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Teilnehmerangaben in einer Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Merkel sagte weiter, Anfang März könnten erste Öffnungsschritte erfolgen - zunächst bei Kitas und Grundschulen, im Einzelhandel und bei Frisören. Diese Öffnungen könne es aber nur unter Auflagen geben. Eine rasche Öffnung würde die Gefahr bergen, "dass die Infektionszahlen ganz schnell wieder hochgehen", wurde Merkel zitiert. Wenn die derzeitigen Auflagen bis zum 1. März fortgeführt würden, könne womöglich ein weiterer Lockdown verhindert werden.

Mutation der Mutation besorgt Briten

Die Beschlussvorlage des Kanzleramts für das Treffen von Merkel mit den Länderchefs enthält keinen Stufenplan für die Öffnungsschritte bei einem weiteren Absinken der Infektionszahlen. In der Vorlage heißt es lediglich: "Um den Bürgerinnen und Bürgern sowie den Unternehmen Planungsperspektiven zu geben, arbeiten Bund und Länder weiter an der Fortschreibung der sicheren und gerechten Öffnungsstrategie, damit unser Leben wieder mehr Normalität gewinnt." Keine Festlegung gibt es auch in der Frage, ab wann Kitas und Schulen geöffnet werden sollen.

Derweil ruft eine nochmals veränderte Form der Variante B.1.1.7 bei britischen Wissenschaftlern Besorgnis hervor. Wie das Gesundheitsministerium in London am Abend mitteilte, wurde die zuerst in Bristol entdeckte Mutante als "Variant of Concern" (etwa: Besorgniserregende Variante) eingestuft. Sie weise eine zusätzliche E484K-Mutation auf, hieß es zur Erklärung.

Dahinter dürfte die Sorge stecken, dass die in Bristol entdeckte Variante gefährliche Merkmale der britischen und anderer Varianten in sich vereinen könnte. Eine ähnliche Mutante wurde auch in Liverpool festgestellt. Beide zusammen wurden in Großbritannien bislang in 76 Fällen nachgewiesen.

Quelle: ntv.de, mau/dpa