Panorama
Gräber erinnern an die 300 getöteten Bergleute in Soma.
Gräber erinnern an die 300 getöteten Bergleute in Soma.(Foto: picture alliance/dpa)
Mittwoch, 11. Juli 2018

Grubenunglück von Soma: Lange Haftstrafen für Minenbetreiber

2014 kommen bei einem schweren Bergbau-Unglück im türkischen Soma Hunderte Menschen ums Leben. Nun werden die Verantwortlichen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Doch für die Hinterbliebenen bleibt das Strafmaß hinter den Erwartungen zurück.

Nach dem dramatischen Bergbau-Unglück im westtürkischen Soma im Jahr 2014 mit 301 Toten, müssen nun einige prominente Angeklagte langjährige Haftstrafen antreten. Nach einem dreijährigen Prozess verurteilte ein Gericht in Akhisar den ehemaligen Minenchef Can Gürkan zu 15 Jahren Gefängnis, wie die staatlichen Nachrichtenagenturen Anadolu und Dogan berichten. Der Direktor des Bergwerks muss mehr als 22 Jahre in Haft.

Der Führungsriege des Braunkohlebergwerks war vorgeworfen worden, aus Profitgier Sicherheitsmaßnahmen vernachlässigt zu haben. Urteile gegen mehrere Dutzend weitere Angeklagte sollten im Lauf des Tages gesprochen werden. Der Betriebsleiter bekam eine Haftstrafe von 18 Jahren und neun Monaten. Der technische Leiter wurde zu 22 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt und der Technik-Aufseher zu 18 Jahren und neun Monaten.

Das Strafmaß blieb hinter den Erwartungen der Anwälte und Familien der Opfer zurück. Angehörige schrien wütende Proteste in Richtung der Richter, die Anwälte verließen nach den ersten Urteilen aus Protest den Saal. Sie hatten für die Topmanager 25 Jahre Haft für jedes der 301 Todesopfer sowie drei Jahre für jeden der 162 Verletzten gefordert. In dem seit drei Jahren andauernden Prozess sollen Urteile gegen insgesamt 37 Angeklagte fallen.

Am 13. Mai 2014 war in dem Braunkohlebergwerk ein Feuer ausgebrochen. 301 Arbeiter starben an Erstickung oder Verbrennungen. 162 weitere wurden verletzt. Es war das schwerste Grubenunglück in der Geschichte der Türkei. Der damalige türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte viele Menschen gegen sich aufgebracht, als er bei einem Besuch in Soma kurz nach dem Unglück über die angebliche Unvermeidbarkeit von Bergwerksunfällen sprach.

Quelle: n-tv.de