Panorama

Wie seit Zweitem Weltkrieg nicht Lebenserwartung in USA sinkt dramatisch

2020-08-04T000000Z_1094255231_RC2O6I9YJPN1_RTRMADP_3_HEALTH-CORONAVIRUS-USA-SCHOOLS.JPG

Mehr als 350.000 Menschen starben im vergangenen Jahr in den USA nachweislich an Covid-19.

(Foto: REUTERS)

Im ersten Jahr der Pandemie geht die Lebenserwartung in den USA historisch stark zurück. Noch nie sind dort innerhalb eines Jahres so viele Menschen gestorben. Besonders hart getroffen wird die hispanische Bevölkerung.

In den USA ist im vergangenen Jahr die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt dramatisch zurückgegangen. Sie nahm um eineinhalb Jahre ab. Einen solchen Rückgang gab es zuletzt während des Zweiten Weltkriegs. Eine Hauptursache sind die 352.166 Toten der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr; sie machen davon fast drei Viertel aus. Insgesamt starben 2020 mehr als 3,3 Millionen US-Amerikaner, so viele wie noch nie in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Die Lebenserwartung liegt nun im Schnitt bei 77 Jahren und vier Monaten.

Bei Männern verringerte sich die Lebenserwartung um zwei Jahre, bei Frauen um ein Jahr. Unter Schwarzen nahm sie 2020 um fast drei Jahre auf 71 Jahre und 10 Monate ab, seit den 1930er-Jahren war dies nicht mehr geschehen. Damals herrschte die Große Depression, eine globale Wirtschaftskrise. Unter der hispanischen Bevölkerung verringerte sich die Lebenserwartung 2020 um drei Jahre, so viel wie nie seit Beginn der Statistik. Das war unter allen erhobenen Bevölkerungsgruppen die größte Verringerung. Auch von der Pandemie wurden Latinos besonders hart getroffen: 90 Prozent der verringerten Lebenserwartung ist bei ihnen auf die Corona-Toten zurückzuführen.

Im internationalen Vergleich nahm die Lebenserwartung in den USA besonders stark ab, nur in Spanien war es mehr: 1,6 Jahre. In Deutschland wurde sie 0,2 Jahre weniger. Dies könnte auch damit zu tun haben, welche Gegenmaßnahmen die Regierungen wann einleiteten und wie die Bevölkerungen damit umgingen. In Argentinien etwa, wo im März 2020 einer der härtesten Lockdowns der Welt verhängt wurde, stieg die Lebenserwartung sogar leicht. Allerdings trifft die Pandemie das Land in diesem Jahr besonders hart.

Große ökonomische Unterschiede

In den USA nimmt die Lebenserwartung bereits seit 2014 fast stetig ab. Der abrupte Abfall im vergangenen Jahr sei "im Grunde genommen katastrophal", sagte Professor Mark Hayward, ein Experte für die dortige Sterblichkeit, der Nachrichtenagentur AP. Ex-Präsident Donald Trump hatte die Pandemie zu Beginn verharmlost, Entscheidungen wurden verschleppt.

Aber auch 2021 dürfte die Lebenserwartung nicht viel besser werden. Inzwischen sind in den USA rund 610.000 Menschen an Covid-19 gestorben. Bei Schwarzen und Latinos wurden die Impfungen in den ersten Monaten des Jahres unterproportional zu ihrem Bevölkerungsanteil durchgeführt.

Viel höher als bei anderen ausgewiesenen Gruppen ist die Lebenserwartung ab Geburt unter Weißen: 77 Jahre und 7 Monate. Das hat insbesondere ökonomische Gründe. Nicht-Weiße machen einen größeren Anteil der einkommensschwachen Bevölkerung aus, sie können sich weniger Behandlungen leisten und nicht so gesund ernähren. Sie arbeiten häufig im Servicebereich, haben keine finanziellen Rücklagen und mussten trotz Risiken weiter arbeiten, wenn sie nicht ihren Job verloren hatten. Unter ihnen starben überproportional viele an Covid-19.

Insbesondere unter Weißen ist eine weitere Hauptursache des Rückgangs die Opioid-Krise. Im vergangenen Jahr starben mehr als 90.000 Menschen an einer Überdosis, fast 30 Prozent mehr als 2019. Dies ist die größte Zunahme in der Geschichte der USA. Vor allem starben sie am illegalen Fentanyl. Das synthetische Schmerzmittel ist etwa 80 Mal stärker als Morphin. Bei der Mehrheit der Kokain- und Metamphetamin-Toten stellen Ärzte auch Fentanyl im Blut fest, so das National Institute on Drug Abuse in den USA. Die Drogen werden so gestreckt, ohne dass es die späteren Konsumenten erfahren.

Quelle: ntv.de, rpe

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.