Panorama

Hetzen statt lehren Lehrer verbreitet "Reichsbürger"-Unsinn

3.JPG

Screenshot aus einem Video des "Volkslehrers".

(Foto: Youtube/Volkslehrer)

Tagsüber unterrichtet Nikolai N. an einer Berliner Grundschule, in seiner Freizeit verbreitet er antisemitische Verschwörungstheorien und leugnet den Holocaust. Das hat nun Konsequenzen für ihn.

Die Berliner Bildungsverwaltung hat Strafanzeige gegen einen Grundschullehrer gestellt, der in seiner Freizeit im Internet Verschwörungstheorien verbreitet und gegen Juden hetzt. Medienberichten zufolge wurde Nikolai N. vorläufig vom Dienst freigestellt.

Der Berliner "Tagesspiegel" hatte das Doppelleben von N. aufgedeckt und am Wochenende öffentlich gemacht. Auf seinem YouTube-Kanal nennt sich Nikolai N. "Volkslehrer". Zu den angeblichen Wahrheiten, die er dort verbreitet, gehört zum Beispiel, dass islamistischer Terror eine Erfindung der westlichen Geheimdienste sei. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis das verlogene System zusammenbreche, sagt N. Er behauptet zudem, die Mondlandung sei eine Lüge und 9/11 sowieso ein Fake. Sein irres Weltbild wird offenbar, wenn er - den Holocaust verkennend - sagt, Deutschland habe eine schöne Geschichte.

Die Behörden gehen dem Verdacht nach, dass der 37-Jährige den sogenannten "Reichsbürgern" nahesteht. Die Gruppierung erkennt die Bundesrepublik sowie deren Behörden und Gesetze nicht an, sie wird bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtet.

Rund 3000 Menschen folgen dem "Volkslehrer" im Netz, seine Videos bekommen ein Tausende Klicks. Doch Nikolai N. ist nicht nur selbsternannter "Volkslehrer", sondern auch Lehrer an der Vineta-Grundschule in Berlin-Wedding. Seine Schüler kennen die Videos. In einem Interview gibt er an, dass seine Schüler ihn um die vielen Follower beneiden. "Manche kommentieren auch meine Videos", sagt er stolz.

Keinerlei Auffälligkeiten?

An der Schule, an der N. seit etwa zwei Jahren tätig ist, gab es nach Angaben ihres kommissarischen Leiters Harry Könnecke keinerlei Auffälligkeiten im Unterricht. "Er hat sich dienstlich nichts zuschulden kommen lassen und das politische Neutralitätsgebot nicht missachtet", sagte er dem "Tagesspiegel". Allerdings verlautete aus Kreisen der Schulverwaltung, dass es zuvor an einer anderen Schule eine Beschwerde gegen den Mann wegen eines Videos gab, das er Schülern zeigte. Daraufhin habe er die Schule freiwillig gewechselt.

"Es hat eine Weile gedauert, bis wir begriffen haben, was da in der Klasse läuft. Mein Kind erzählte mir irgendwann sehr überzeugt, dass es Ebola gar nicht gibt und die Pharmaindustrie die Krankheit nur erfunden habe. Außerdem hätten die Ägypter die Pyramiden gar nicht gebaut, sondern wahrscheinlich Außerirdische …", zitiert der "Tagesspiegel" betroffene Eltern.

Den Youtube-Kanal betreibt N. seit gut drei Monaten, auf der Straße soll er aber schon länger politisch aktiv sein. Fotos zeigen ihn bei Demonstrationen mit Plakaten, auf denen zu lesen ist: "Die Geschichte des Holocaust ist eine Geschichte voller Lügen" oder "Das Deutsche Reich besteht weiterhin fort".

Quelle: n-tv.de, dsi

Mehr zum Thema