Panorama

Ermittlungen gegen 13 Beamte Leipziger Polizisten verkaufen Diebesgut

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Die Polizei und Fahrräder - in Leipzig offenbar eine schwierige Verbindung.

(Foto: imago/Seeliger)

Beamte der Leipziger Polizei sollen sich illegalerweise an gestohlenen Fahrrädern bereichert haben. Eine mit großem Aufsehen eingeführte Abteilung wird deswegen aufgelöst. Das Land Sachsen wehrt sich gegen den Verdacht der Vertuschung.

In keiner deutschen Stadt werden so viele Fahrräder gestohlen wie in Leipzig. 2019 waren es laut "Bild"-Zeitung 1700 Diebstähle pro 100.000 Einwohner. Und wie es scheint, verdienen auch Polizeibeamte der sächsischen Großstadt an diesen Straftaten mit. Mehrere Polizisten sollen rund 1000 gestohlene Fahrräder, deren Besitzerinnen und Besitzer nicht zu ermitteln waren, illegal weiterverkauft haben. Deshalb ermittelt das Landeskriminalamt bereits seit Sommer 2019 gegen inzwischen 13 Beamte, denen Untreue, Vorteilsgewährung und Strafvereitelung im Amt vorgeworfen wird, wie das Nachrichtenportal Tag24.de berichtet.

Insgesamt stehen 40 Beamte im Verdacht, beschlagnahmte Räder preisgünstig erworben zu haben, heißt es mit Verweis auf einen internen LKA-Bericht. Im Zentrum des Handels soll Tag24.de zufolge eine 43-jährige Polizeibeamtin stehen, die in der 2012 eingerichteten Zentralen Bearbeitung der Fahrradkriminalität (ZentraB Fahrrad) beschäftigt gewesen sein soll. Die ZentraB Fahrrad galt demnach als Prestigeprojekt, wurde allerdings Ende 2019 ohne großes Aufsehen aufgelöst. Der aktuelle Korruptionsskandal könnte dabei eine wichtige Rolle gespielt haben.

Als Asservaten-Beauftragte sei die 43-Jährige für die Aufbewahrung des sichergestellten Diebesgutes zuständig gewesen, bis Versicherungen oder Staatsanwaltschaft die Räder entweder zur Verschrottung oder zur gemeinnützigen Verwertung freigeben. Bei dieser Verwertung sollen interne Ermittler im Jahr 2019 auf Ungereimtheiten gestoßen sein. Eine signifikante Zahl Fahrräder sei demnach an einen Kleingartenverein weitergegeben worden, dessen Vorstand der Vater der 43-Jährigen ist. Über diesen Verein sollen die mitunter hochwertigen Fahrräder dann im Auftrag der Beamtin deutlich unter Wert weiterverkauft worden sein.

Polizei und Staatsanwälte als Kunden?

Unter den Kunden befanden sich laut Tag24.de mehrere Dutzend Polizeibeamte, aber möglicherweise auch Juristen im Staatsdienst, also Staatsanwälte und Richter, die sich damit der Hehlerei schuldig gemacht haben könnten. Bei einer Hausdurchsuchung seien Quittungen sichergestellt worden, die bis ins Jahr 2015 zurückgehen und den Ermittlern Hinweise auf Mitwisser und Käufer geben.

Die "Dresdner Morgenpost" zitiert aus dem internen LKA-Bericht: "Es ist nach gegenwärtigem Ermittlungsstand davon auszugehen, dass zumindest 40 Beamte der Polizeidirektion Leipzig betroffen sind, die zum Tatzeitpunkt unter anderem in der Kriminalpolizeiinspektion, den Polizeirevieren, dem Führungs- und Lagezentrum sowie dem Referat 3 der PD Leipzig tätig waren." Das Referat drei ist seinem Namen zufolge eigentlich für die Kriminalitätsbekämpfung zuständig.

Die sächsischen Behörden hatten bislang nicht öffentlich über den Verdacht und die Ermittlungen informiert, auch die Leipziger Polizei hielt sich bislang bedeckt. Das von CDU-Politiker Roland Wöller geführte Innenministerium reagierte auf Twitter auf die Veröffentlichung: "Den Vorwurf der Vertuschung weisen wir zurück."

Quelle: ntv.de, tsi