Panorama

Er walzte den Zaun nieder Letzter Auschwitz-Befreier ist tot

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Mehr als 40 Orden bekam Dushman laut Medienberichten - nahezu alles, was die Sowjetunion zu bieten hatte.

(Foto: REUTERS)

Dutzende Orden zieren seine Brust. David Dushman hat viel gesehen. Über 35 Jahre war er Fechttrainer in der Sowjetunion. Er hat das Olympia-Attentat 1972 erlebt. Wofür er aber vor allem in Erinnerung bleibt: als einer der Befreier des Konzentrationslagers Auschwitz. Nun ist Dushman gestorben.

Der letzte lebende Befreier des Konzentrationslagers Auschwitz, David Dushman, ist im Alter von 98 Jahren gestorben. Das bestätigte ein Sprecher der Israelitischen Kultusgemeinde München (IKG). Dushman sei in der Nacht zum Samstag in einem Münchner Krankenhaus gestorben. Anlässlich seines letzten Geburtstages war er zum Ehrenmitglied der IKG ernannt worden.

David Dushman stammte aus der ehemaligen Sowjetunion und kämpfte als Panzerfahrer unter anderem in der Schlacht von Stalingrad. Am 27. Januar 1945 walzte er im Alter von 21 Jahren mit einem Panzer der Roten Armee den Zaun des Konzentrationslagers Auschwitz nieder.

Einem Bericht der "Jüdischen Allgemeinen Zeitung" zufolge sah Dushman nach dem Niederreißen des Zauns verhungerte Menschen und Leichenberge. Was Auschwitz genau war, sei dem jungen Panzerfahrer aber zunächst nicht bewusst gewesen. "Das habe ich erst nach dem Krieg erfahren", sagte Dushman der Zeitung anlässlich seines 95. Geburtstags.

Nach dem Krieg trainierte er von 1952 bis 1988 als Fechttrainer die Frauennationalmannschaft der Sowjetunion. Dabei erlebte er auch den Terroranschlag auf die israelische Mannschaft beim Olympia-Attentat 1972 in München mit. "Wir hörten die Schüsse und das Brummen der Hubschrauber über uns", schilderte er im Gespräch mit der "Jüdischen Allgemeinen Zeitung". "Wir wohnten genau gegenüber der israelischen Mannschaft. Wir und alle anderen Sportler waren entsetzt."

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Der ehemalige Panzerfahrer 2015 am Sowjetischen Ehrenmal im Berliner Tiergarten.

(Foto: picture alliance / NurPhoto)

Als Zeitzeuge trat er später an Schulen auf und erzählte seine Geschichte. Nach Öffnung der Ostblockgrenzen zog es Dushman zunächst nach Österreich, ehe er mit seiner ebenfalls schon verstorbenen Frau Zoja nach München-Neuperlach zog und dort ein neues Zuhause fand.

Anlässlich seines 95. Geburtstag resümierte Charlotte Knobloch, die Präsidentin der IKG: "Was Sie an physischen und seelischen Schmerzen erleiden mussten, aber auch, was Sie an Großartigem geleistet haben und welche außergewöhnlichen Erfolge Sie feiern konnten - das reicht eigentlich für drei Leben", so ist es der Seite der IKG zu entnehmen.

Quelle: ntv.de, mpe/dpa

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